Rückzug von allen Wettbewerben

Wie einige vielleicht wissen, war ich lange Zeit jemand, der gerne wettbewerbsorientiert seinen Hobbys nachgegangen ist. Ich kann hier auf eine schöne und erfolgreiche Zeit in unterschiedlichen Hobbys zurückblicken, etwa dem Sport (Tennis, Handball, Schach, e-Sports), dem Gaming als auch den Tabletops.

Letztere waren neben dem e-Sports und dem Gaming bis vor Kurzem das letzte Hobby, in denen ich Wettbewerbe bestritten habe. Aufgrund einer philosophischen und theologischen Neuausrichtung meinerseits, ist das wettbewerbsorientierte Spielen in den vergangenen Jahren aber immer weniger geworden.

Vor wenigen Monaten habe ich mein letztes Tabletop-Turnier bestritten:

Fortan werde ich persönlich an keinerlei Wettbewerben (Turniere, Ligen, etc.) mehr teilnehmen. Allerdings werde ich meine Erfahrungen und Ideen an jüngere Menschen weitergeben, beispielsweise als Leiter des Caelesti Tabletop-Clubs.

Irgendwann musste einmal der vollständige Schnitt zur hobbytechnischen Neuausrichtung meinerseits vollzogen werden – was ich hiermit tue.

Advertisements

Die Schach-Weltmeisterschaft 2018

Lange Zeit galt der norwegische Schachspieler und Schachweltmeister Magnus Carlsen als unbezwingbar. Schon früh wurde er zum Schachgroßmeister und er gewann im Jahre 2013 mit gerade einmal 22 Jahren die Schachweltmeisterschaft. 2014 konnte der den Titel gegen den indischen Großmeister Viswanathan Anand verteidigen, 2016 folgte die erfolgreiche Titelverteidigung gegen den russischen Herausforderer Sergei Karjakin.

Nun muss sich Carlsen gegen den US-amerikanisch-italienischen Großmeister Fabiano Caruana behaupten. Interessant ist diese Zusammensetzung vor allem deshalb, weil Caruana Carlsen kurz vor der Weltmeisterschaft 2018 bereits zweimal bei einem Turnier hinter sich lassen konnte, nämlich beim Grenke Chess Classic in Deutschland als auch beim Altibox Norway Chess in Stavanger.

Die erste Partie der Schachweltmeisterschaft 2018 endete nach circa sieben Stunden mit einem Unentschieden. Besonders erwähnenswert ist, dass Carlsen überraschenderweise auf die Sizilianische Verteidigung setzte. Zwischenzeitlich wirkte es so, als würde Carlsen das Spiel relativ eindeutig gewinnen, am Ende folgte nach dem 115. Zug aber das Remis. Wenn Caruana die Weltmeisterschaft gewinnen möchte, dann muss er aber seine Nerven in den Griff bekommen. Seine Zügen waren teilweise doch sehr von Nervosität geprägt. Alles in allem hat die Partie Lust auf mehr gemacht. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis der folgenden Begegnungen.

Football Leaks

Die jüngsten Enthüllungen um den deutschen, europäischen und globalen Profifußball wirken wie die lange zu erwartende Bestätigung einer längst bekannten Sache – und dabei steht Football Leaks erst am Anfang. Es werden noch viele Enthüllungen folgen.

Aus deutscher Sicht ist besonders erwähnenswert, dass vor allem ein Verein bei den Hinterzimmergesprächen und einer mutmaßlichen Korruption ganz vorne mitmischt: Der FC Bayern München. Wie bereits in einem früheren Artikel auf diesem Blog zu lesen gewesen ist, halte ich das Geschäftsgebaren von Bayern ohnehin für unmoralisch. Die neuen Erkenntnisse der letzten Tage werfen auf den Verein aber noch einmal einen viel größeren Schatten. Zynisch könnte man fragen, was man denn auch anderes von einem Verein erwarten soll, der von zwei Vorbestraften geführt wird. Das reicht aber nicht, denn die Geld- und Machtgier der Bayern reicht offenbar viel tiefer. So überlegte man wohl aus der Bundesliga auszusteigen und/oder die Champions League zu verlassen, um mit anderen europäischen Spitzenclub eine „Invite only“-Superliga zu gründen. Dabei geht es nicht um sportliche Aspekte, sondern nur um Geld und eine Stärkung der eigenen Machtposition. Als Sportfan ist man angewidert.

Aber auch die Spitzenverbänden tun ihr Übriges. FIFA und UEFA gelten seit Langem als korrupt. So ging beispielsweise Fifa-Präsident Infantino rigoros gegen die eigenen Regelhüter im Verband vor. Zuvor hatte er noch als Generalsekretär der UEFA gezielt mit Besitzern von europäischen Topclubs, zumeist aus dem arabischen Raum, zusammengearbeitet, um diesen beim Bruch der Financial-Fair-Play-Regeln zu helfen.

In meinem Buch zum e-Sports habe ich geschrieben, dass ich mir keine übermächtigen Verbände und Organisationen im e-Sports wünsche. Genau die aktuellen Enthüllungen rund um den Profifußball zeigen warum.

Was wäre zu tun? Man sollte alle beteiligten Clubs die Lizenzen für die nationalen Erstligen und alle europäischen Turniere entziehen – erst einmal für zwei Jahre, inklusive Zwangsabstieg in die jeweils nationale dritte Liga. Gleichzeitig sollten Gehälter, Ablösesummen und Bonuszahlungen im Profifußball gedeckelt werden – ohne Wenn und Aber und mit harten Strafen bei Verstößen oder einer Umgehung der Regeln. Gleichzeitig müssen die kompletten Führungsebenen bei FIFA und UEFA ausgetauscht werden und zukünftig einer staatlichen Kontrolle unterliegen, bei der UEFA etwa durch die EU plus X.

Der HSV – von der Entkernung eines Spitzenclubs

Der Hamburger Sport-Verein zählte im Fußball zu den ganz Großen in Europa und war ein beständiges Fundament im deutschen Profifußball. Man gewann unter anderem den Europapokal der Landesmeister, den Europapokal der Pokalsieger, sechs deutsche Meisterschaften sowie dreimal den DFB-Pokal. In der ewigen Bestenliste der deutschen Fußballvereine belegt man den fünften Platz.

 

Die Glanzzeiten dieses ehrwürdigen Vereins liegen aber lange zurück. Das letzte Mal wurde der HSV deutscher Meister als ich gerade auf die Welt gekommen bin – nämlich 1983. Seither erlebte der Vereine viele Aufs und Abs, aber quasi keine großen Titel mehr.

 

Nun steht der HSV kurz vor dem Abstieg aus der 1. Bundesliga. Also der Verein, der seit der Gründung der Bundesliga immer Teil der höchsten deutschen Spielklasse gewesen ist. Nur, wenn Hamburg gegen Gladbach gewinnt und Wolfsburg gleichzeitig gegen Köln verliert besteht noch die Chance auf die Relegation. Aber wie konnte es soweit kommen?

 

Die geringste Schuld trifft die Fans und die Mitarbeiter des HSV. Ebenso sehe ich die Trainer und auch die Spieler zwar in einer gewissen Verantwortung, aber nicht als Hauptlast der letzten Jahre. Vielmehr kann man die Situation des Vereins an Missmanagement und Versagen in der Führungsebene festmachen.

 

Das beginnt beim Umgang mit Trainern: Hamburg hatte in der selben Zeit, in der beispielsweise Arsenal London einen Trainer hatte, knapp 30 Trainer. Das macht mehr als einen Trainer pro Jahr, also durchschnittlich jedes Jahr mindestens einen Trainerwechsel. Auch sind merkwürdige Transfers getätigt worden, mehr um der Show Willen, als um auf Leistung abzuzielen. Altstars sind verpflichtet worden, die ihren Zenit lange überschritten hatten. Große Namen, vor langer Zeit. Genau wie der HSV selbst.

 

Der größte Fehler des HSV dürfte aber gewesen sein, dass man sich in eine finanzielle Abhängigkeit zu Klaus-Michael Kühne begeben hat. Einem Mann, der viel will und verlangt, dabei aber wenig Sachverstand im Hinblick auf Fußball zu haben scheint. Es ging um Transferrechte, Aktien und Investments – weniger um Nachhaltigkeit.

 

Das war in meinen Augen der Todesstoß für diesen ehemals herausragenden Verein. Sollte der Abstieg am Samstag folgen, bleibt zu hoffen, dass es eine Lizenz für die 2. Bundesliga und dort dann eine Erneuerung geben wird – hoffentlich ohne Herrn Kühne. Zu wünschen wäre des den Hamburgern.

Bildschirm-Athleten

Werbung

Nach sechs Monaten der intensiven Arbeit ist mein viertes und vorerst letztes Buch „Bildschirm-Athleten“ fertig. Das Buch beschäftigt sich auf rund 500 Seiten und in knapp dreißig Kapiteln mit dem Phänomen e-Sports.

Erscheinen sollte das Buch in ca. zwei Wochen.

Anlässlich des Buches, werde ich zukünftig unter bildschirm-athleten.de über den e-Sports schreiben und nicht mehr auf diesem Blog. Zu allen anderen Themen wird aber weiterhin dieser Blog aktiv bleiben und genutzt werden.

Das Geschäftsmodell des FC Bayern München

Matthias Sammer arbeitet fortan als externer Berater bei Borussia Dortmund. Zuvor war er vier Jahre Sportchef beim FC Bayern München, bevor ihn eine Erkrankung zum Rückzug gezwungen hatte. Mit ihm gewannen die Bayern unter anderem das Triple, bestehend aus Champions League, deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal, gefolgt vom Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft.

Uli Hoeneß, „Macher“ der Bayern, zeigte sich erfreut über den Wechsel Sammers zu Dortmund. Sammer könne den Dortmundern helfen dafür zu sorgen, dass die Bayern in der Bundesliga endlich wieder eine nennenswerte Konkurrenz hätten.

Diese Aussage wirkt insofern seltsam, gar paradox, weil die Bayern durch ihre Einkaufspolitik und wirtschaftlichen Gebaren maßgeblich mit dafür verantwortlich sind, dass sie seit Jahrzehnten auf Dauer keine ernsthafte Konkurrenz auf nationaler Ebene hatten. Deutlich wird dies vor allem daran, wenn man sich einmal anschaut, wen die Bayern als Spieler verpflichten und demgegenüber den Tabellenstand der Bundesliga aus den Vorjahren stellt. Bayern kauft auffallend häufig Leistungsträger und Schlüsselspieler von der direkten Konkurrenz.

Im aktuellen Kader des FC Bayern München befinden sich alleine sieben Spieler, die von Vereinen gekauft worden sind, die den Bayern in der Bundesliga gefährlich geworden sind oder hätten in nächster Zeit gefährlich werden können (in Klammern der abgebende Verein):
– Manuel Neuer (Schalke)
– Niklas Süle (Hoffenheim)
– Mats Hummels (Dortmund)
– Joshua Kimmich (Leipzig)
– Sebastian Rudy (Hoffenheim)
– Sandro Wagner (Hoffenheim)
– Robert Lewandowski (Dortmund)

Zusätzlich wird zur nächsten Saison Leon Goretzka von Schalke zu den Bayern wechseln. Schalke ist aktuell Zweiter der Bundesliga und Goretzka ist deren wichtigster Leistungsträger. Laut Medienberichten ist Bayern zusätzlich an Christian Pulisic dran, Schlüsselspieler von Borussia Dortmund, aktuell Dritter der Bundesliga.

Dieses Geschäftsverhalten, das deutlich den Eindruck erweckt man würde gezielt Konkurrenten kaputt kaufen, ist kein neues Phänomen bei den Bayern sondern zieht sich seit Jahrzehnten wie ein roter Faden durch dessen Geschichte. Zu nennen sind hier beispielhaft, eine komplette Auflistung würde den Rahmen dieses Blogeintrags deutlich sprengen, folgende Spieler:
– Karl Del’Haye (Gladbach, 1980)
– Lothar Matthäus (Gladbach, 1984)
– Hans Dorfner (Nürnberg, 1984)
– Stefan Reuter (Nürnberg, 1988)
– Roland Grahammer (Nürnberg, 1988)
– Manfred Schwabl (Nürnberg, 1989)
– Jürgen Kohler (Köln, 1989)
– Michael Sternkopf (Karlsruhe, 1990)
– Oliver Kreuzer (Karlsruhe, 1991)
– Bruno Labbadia (Kaiserslautern, 1991)
– Mehmet Scholl (Karlsruhe, 1992)
– Thomas Helmer (Dortmund, 1992)
– Oliver Kahn (Karlsruhe, 1994)
– Ciriaco Sforza (Kaiserslautern, 1995 sowie 2000)
– Andreas Herzog (Bremen, 1995)
– Mario Basler (Bremen, 1996)
– Giovane Élber (Stuttgart, 1997)
– Thomas Linke (Schalke, 1998)
– Robert Kovač (Leverkusen, 2001)
– Zé Roberto (Leverkusen, 2002)
– Michael Ballack (Leverkusen, 2002)
– Lúcio (Leverkusen, 2004)
– Miroslav Klose (Bremen, 2007)
– Mario Gomez (Stuttgart, 2009)

Das als einige wenige Beispiele. In der Regel bedienten sich die Bayern beim Vizemeister oder jemandem, der einen Titel gewinnen konnte. Entweder holte man die Spieler direkt in der folgenden Saison oder aber etwas später. Bei Nürnberg beispielsweise erkannten die Bayern rechtzeitig, dass dieser Verein immer größer und besser wurde, sodass man schnell und gezielt eine mögliche Konkurrenz im eigenen Bundesland durch den Abkauf von Schlüsselspielern kaputt gemacht hat.

Das gegenwärtig eindringlichste Beispiel ist Borussia Dortmund, daher auch dieser Blogeintrag im Hinblick auf die Aussage von Hoeneß. Bayern hat von Dortmund, die zur Dauerkonkurrenz geworden waren und sogar deutsche Meistertitel gewinnen konnten, Mario Götze (Spielmacher, 2013), Robert Lewandowski (1. Stürmer, 2014) sowie Mats Hummels (Abwehrchef, 2016) gekauft.

Bayern führt aktuell die Bundesligatabelle mit einem Vorsprung von 17 Punkten an. Man kann nicht einerseits eine bessere Konkurrenz und eine spannendere Bundesliga fordern und andererseits Konkurrenten oder solche, die es werden könnten, gezielt Schlüsselspieler weg kaufen. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern vor allem auch paradox.

Ninjas in Pyjamas (NiP) – Vom Fall einer Legende

Die Ninjas in Pyjamas (NiP) sind in der Counter-Strike-Szene mit Unterbrechungen seit dem Jahre 2000 ein Name wie Donnerhall. Spätestens seit 2001 haben sie den internationalen Counter-Strike-Aufstieg mitgeprägt, teilweise sogar dominiert.

 

Turniersiege bei der Cyberathlete Professional League Weltmeisterschaft, der NGL ONE, diversen Dreamhack-Veranstaltungen, der Starseries und den Copenhagen Games sind nur einige der großen Erfolge dieses legendären Clans.

 

Mittlerweile ist NiP seit einigen Monaten, vielleicht sogar Jahren, kein Tier1-Team mehr, also kein Team, dass zur internationalen Spitze gehört. Man hat versucht dem mit Wechseln im Team zu begegnen, indem man beispielsweise die Spieler Robin „Fifflaren“ Johansson und später Adam „friberg“ Friberg ersetzt hat. Der große Erfolg in Form eines weiteren Major-Titels blieb aus. Im Gegenteil: Die Erfolge wurden immer seltener, die Wahrnehmung in der Szene als Topteam schwand – und ist mittlerweile gar mehr oder weniger verschwunden.

 

Aber woran liegt das? NiP setzt nach wie vor auf einen Kern aus drei alten Spielern, die seit vielen Jahren zusammen spielen. Das ist einerseits gut, weil man auf Konsistenz und Stabilität setzt und dies neuerdings mit neuen, hungrigen Spielern ergänzt. Andererseits wirkt auf mich persönlich die Luft bei den „alten Herren“ etwas raus. Die Spritzigkeit fehlt, ebenso wie die taktische Innovationsfähigkeit.

 

Ich kenne das von meiner eigenen e-Sports Karriere. Im Alter lassen nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, vor allem hinsichtlich der Reaktionsfähigkeit nach, sondern man benötigt als Mitzwanziger oder gar Mensch der Generation 30+ einen ganz anderen Energieaufwand um noch einmal anzugreifen, als ein 18jähriger oder Anfang 20jähriger. Außerdem ist man irgendwann satt, wenn man quasi „alles“ erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte. Geld ist bei vielen e-Sportlern eher ein sekundärer Motivationsgrund, primär geht es häufig eher um den Gewinn von Titeln, darum der Beste zu sein und auch um Freundschaften, interkulturelle Aspekte sowie das Teamgefühl. Fallen die ersten beiden primären Gründe mehr oder minder weg, sind bei jungen Spielern aber mit Feuereifer vorhanden, dann hat man, neben den körperlichen Aspekten, einen deutlichen Nachteil als älterer Spieler.

 

Ich glaube nicht, dass NiP mit dem aktuellen Kern noch einmal ganz nach oben kommen wird. Die drei Spieler sind Legenden und haben für den e-Sports unsagbar viel erreicht und geleistet. Aber ihre Zeit dürfte schlicht vorbei sein, so wie auch irgendwann die Zeit für Profispieler aus klassischen Sportarten vorbei ist. Das ist einerseits schade, sollte aber andererseits der nachkommenden Generation an Spielern die Möglichkeit geben, in einem Trikot von NiP auflaufen zu dürfen. Es ist Zeit Platz zu machen.