Die sprachliche Verrohung der Jugend und junger Erwachsener – Ein massives Problem

„Hurensohn“, „Pimmelfresse“, „Spassemacken“ – die Liste von Beleidigungen, die gegenwärtig von jungen Menschen benutzt werden, ist lang. Einschlägige Listen gehen momentan von rund 300 Begriffen aus. Man hat den Eindruck, dass dieses Problem immer schlimmer wird. Gerade die erst genannte Beleidigung empfinde ich als besonders schlimm.

Die sprachliche Verrohung ist auch keine Frage der sozialen Herkunft oder des Bildungsstandes. Sie findet überall statt, durch alle Ethnien, sozialen Schichten und Bildungshintergründe. Aufgrund meines ehrenamtlichen Engagements habe ich viel mit jungen Menschen zu tun und mir daher ein dickes Fell angeeignet, da ich weiß, dass die Beleidigungen in der Regel nicht „so gemeint“ sind. Schön ist es aber trotzdem nicht.

Erschreckend ist, dass auch das Wort „Jude“ mittlerweile oft als Beleidigung genutzt wird. Es wird also eine Minderheit bewusst oder unbewusst in den Dreck gezogen. Wir sprechen auch nicht von „irgendeiner“ Minderheit, sondern von jener, die wie keine andere in Deutschland und durch Deutsche gelitten hat. Wir als Deutsche haben eine besondere Verantwortung für das Judentum – es zu schützen, zu verteidigen, zu respektieren und zu akzeptieren. Auch andere Minderheiten finden sich bedauerlicherweise als Beleidigung wieder: „Schwuchtel“, „Transe“, „Arab“, „Kopftuchtusse“.

Ich halte es für unabdingbar, dass junge Menschen explizit darauf hingewiesen werden, und darum auch dieser Blogeintrag, dass ein derartiges Verhalten schlecht ist. Es schadet der sprachlichen Kultur, dem friedlichen Miteinander, einer toleranten Gesellschaft sowie dem Gleichheitsprinzip. Minderheiten etwa sind in der aller größten Mehrheit bereichernd für unser Land. Sie machen es heterogen. Man stelle sich vor, dass wir alle gleich wären – wie langweilig wäre Deutschland?

Daher plädiere ich dafür, dass die Sprache als Mittel wieder so wird, wie sie sein sollte, nämlich frei von diffamierenden und beleidigenden Inhalten. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Familien, Schulen, Freunde, Vereine, Unternehmen, Politik, Hochschulen, Berufsschulen. Alle müssen hier Hand in Hand arbeiten.

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