Die Bringschuld der Wissenschaft

Wer sind wir? Wo kommen wir her? Warum sind wir hier? Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es einen Gott? Existieren wir nach unserem irdischen Tod weiter? Das sind die drängendsten, fundamentalsten Menschheitsfragen.

Im Kopf der meisten Menschen geistert die Annahme umher, dass Wissenschaft etwas belegen oder gar beweisen könnte. Daher erwarten diese Menschen dann häufig, dass die Wissenschaft auch auf die elementarsten Fragen der Menschheit Antworten liefern kann – verifizierbar und evaluierbar.

Folgerichtig würde jemand, der Wissenschaft derartig definiert, die Frage nach dem „Wo kommen wir her?“ im Sinne darwinistischer, biologischer und historischer Fakten wahrscheinlich so beantworten: „Ursprünglich aus Ostafrika.“

Das mag im Sinne einer biologischen Menschwerdung nicht unbedingt falsch sein, beantwortet die Frage nach dem „Woher“ in meinen Augen aber doch eher unbefriedigend. Zum einen, weil der Mensch in seiner Entstehung auf materialistische Grundannahmen reduziert wird. Zum anderen aufgrund dessen, dass die Antwort eher die Frage nach dem „Wie“ im Sinne der Biologie beantwortet.

Wissenschaft kann weder beweisen noch belegen, sondern lediglich Zusammenhänge ziehen und im besten Fall falsifizieren. Nicht mehr und nicht weniger. Daher ist eine wissenschaftliche Beantwortung dieser sehr komplexen, vielschichtigen Menschheitsfragen nach meinem Dafürhalten schon per Definition ausgeschlossen. Die Bringschuld der Wissenschaft bestünde etwa darin, Gott zu falsifizieren – was unmöglich ist, denn die negative Existenz Gottes ist keine greifbare Größe.

Sehr eindringlich kann man sich die Beschränktheit der Wissenschaft vor dem Hintergrund der Urknall-Theorie vor Augen führen. Die Frage nach dem „Woher“ können Wissenschaftler nicht abschließend beantworten, sodass sie – etwa aufgrund der Expansion des Weltalls – von einem Urknall ausgehen, der etwa 13,8 Milliarden Jahre zurückliegen soll. Ungereimtheiten, wie etwa Fragen nach dem Ausbleiben von Gravitation vor dem Urknall bei gleichzeitiger Existenz selbiger nach dem Urknall, bleiben unbeantwortet.

Ich sehe bei solch grundlegenden Fragen in einem gewissen Maße eine „wissenschaftliche Verdunklung“, da die vermeintliche Beantwortung dieser Fragen durch schwammige, nebulöse und teilweise gar sehr theoretische Konstrukte erfolgt – wie zum Beispiel dem Urknall.

Die Wissenschaft kritisiert dabei gleichzeitig philosophische, theologische oder metaphysische Ansätze zur Lösung, ohne dabei der eigenen Bringschuld nachzukommen.

Ich selbst habe in meinem Leben mehrere wissenschaftliche Arbeiten verfasst, darunter eine Dissertation. Die Wissenschaft ist ein großes Menschheitsgeschenk, das uns sehr viele Errungenschaft gebracht hat. Sie muss aber ihre Grenzen kennen.

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Karl Popper – Der Wissenschafts-Revolutionär

Er gilt als einer der wichtigsten Wissenschaftstheoretiker der Geschichte und bedeutender Philosoph. Karl Popper, österreichisch-britischer Denker, hat das wissenschaftliche Arbeiten und Verstehen geprägt und verändert wie kaum jemand vor ihm.

Im ersten Schritt nahm Popper eine klare Trennung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft vor. So sah er beispielsweise den Marxismus nicht als wissenschaftliches Konstrukt, sondern als reine Pseudowissenschaft. Wissenschaft hingegen sei etwa die Relativitätstheorie von Albert Einstein.

Entscheidend war aber seine Ansicht, dass jede wissenschaftliche Theorie falsifizierbar sein müsse. Jede wissenschaftliche Annahme sei eben nur eine Annahme, die schlussendlich auch scheitern könne.

Der so entwickelte Kritischer Empirismus, bekannter als Falsifikationismus, prägt das wissenschaftliche Arbeiten bis heute.

Das eindringlichste und bekannteste Beispiel hierzu sind die Popper-Schwäne. Vor Karl Popper hätten Wissenschaftlicher eine Hypothese aufgestellt und versucht diese empirisch zu beweisen und zu belegen. Eine Hypothese wäre etwa gewesen, dass alle Schwäne weiß sind. Nun wären Wissenschaftler ausgezogen und hätten Beobachtungsdaten ermittelt, die ihre Hypothese beweisen sollen. Daraus ergibt sich vor allem das Problem, dass versucht wird von Einzelfällen, wie viele es in Summe auch sein mögen, auf eine allgemeine Regel zu schließen, was unlogisch ist. Wissenschaftlich wäre der Umkehrschluss: Die Aussage, dass alle Schwäne weiß sind, kann wissenschaftlich und sicher falsifiziert werden, wenn auch nur ein einziger schwarzer Schwan beobachtet wird.

Wissenschaft bedeutet also nicht, dass man Hypothesen beweist, sondern, dass man diese kritisch untersucht und gegebenenfalls gar falsifiziert.

World University Rankings 2019

Times Higher Education hat das neue weltweite Hochschulranking veröffentlicht. Mit Oxford und Cambridge liegen Universitäten aus Großbritannien auf den Plätzen 1 und 2. Es folgen sechs US-amerikanische Universitäten auf den nächsten Plätzen. Harvard liegt überraschenderweise nur auf dem sechsten Platz.

Mit der LMU München findet sich die beste deutsche Universität gerade einmal auf Position 32, die TU München liegt auf Platz 44, Heidelberg auf Platz 47. Damit finden sich sieben europäische Universitäten vor der besten deutschen Hochschule. In den Top 25 liegen gerade einmal fünf Hochschulen aus Europa, die USA stellen ganze 17 Bildungseinrichtungen in den oberen 25 Rängen.

Was sagt uns das? Zum einen ist auffallend, dass die USA in Sachen Hochschulqualitäten nach wie vor das wichtigste Land sind. Auch viele deutsche Wissenschaftler forschen lieber auf der anderen Seite des großen Teichs als in Deutschland. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gilt Wissenschaft hierzulande als „uncool“, während Forscher in den USA teilweise den Status von Popgrößen haben. Zum anderen bringen US-amerikanische Universitäten beträchtliche Summen auf, die zu großen Teilen auch in die Wissenschaft fließen. Harvard etwa kann ein Stiftungsvermögen von rund 38 Milliarden US Dollar vorweisen. Zum Vergleich: Die beste deutsche Hochschule, die LMU München, kann rund 2 Milliarden US Dollar Jahresetat einbringen.

Langfristig wird die Schwäche des deutschen Hochschulstandortes verstärkt zu Problemen führen, vor allem hinsichtlich der Forschungsqualität, der Entwicklung von Patenten und der Attraktivität für den Nachwuchs. Die Politik muss hier handeln – zeitnah.

Die Seele des Menschen

Der Tod ist schon immer das große Unbekannte im Leben der Menschen. Kommt etwas danach – und wenn ja, was genau? Schon in den ersten Kulturen der Menschheit gab es den Glauben an Geister, Seelen, Astralkörper oder in welcher Art auch immer definierten Nachlebenden.

Seit einigen Jahrzehnten entzaubert die moderne Hirnforschung diesen Glauben nach und nach. Die Seele sei Teil des Gehirns. Die Persönlichkeit, Emotionen, Erinnerungen, etc. würden nur auf neurobiologischen Strukturen und chemischen Prozessen beruhen. In der Tat deutet vieles darauf hin, dass es so ist. Persönlichkeitsveränderungen lassen sich neurobiologisch nachweisen – ja, sogar herbeiführen. Emotionen entstehen durch die Stimulation von bestimmten Hirnregionen, in aller Regel bedingt durch Hormone. Auch hier kann der Mensch steuern, beispielsweise durch Psychopharmaka oder Drogen. Euphorie, also die intensivste Form der Freude, ist z.B. durch bestimmte Drogen problemlos hervorzurufen. Es werden durch geeignete Rezeptoren „einfach“ Emotionen im Gehirn simuliert. Dass Erinnerungen im Gehirn abgespeichert sind, ist unumstritten – gerade durch die Forschung im Bereich der Behandlung von Amnesien.

Wo bleibt da noch Platz für die Seele? Das Bewusstsein gilt als fundamentalster Seelenbestandteil. Aber auch hier sind Phänomene weitgehend neurologisch erklärbar. Ist z.B. das Großhirn irreparabel beschädigt (z.B. bei Wachkoma-Patienten), dann ist das Bewusstsein zerstört. Interessanterweise habe ich einmal mit einer „Schamanin“ gesprochen, die mir erzählt hat, dass Menschen Seelenteile verlieren können. Hat man zu viele verloren, so läge man im Wachkoma. Als ich – als feuriger Anhänger des Skeptizismus‘ – erklärt habe, dass das nichts mit Seelenteilen, sondern mit dem Ausfall bestimmter Hirnregionen zu tun habe, wollte sie nicht mehr mit mir sprechen. Und so geht es meistens mit solchem Hokuspokus. Wo wissenschaftliche Verifizierbarkeit auf Aberglaube trifft, hat letzterer in aller Regel das Nachsehen.

Hier hat man vor rund hundert Jahren versucht eine Brücke zu schlagen – allerdings lange Zeit vor der modernen Hirnforschung. Bei der sogenannten Psychostasie, allen voran rundum den Arzt Duncan MacDougall, hat man versucht die Seele zu wiegen. Im Moment des Ablebens verzeichneten die „Wissenschaftler“ einen nicht zu erklärenden Gewichtsverlust bei den Sterbenden, im Mittel von rund 21 Gramm. Der Versuchsaufbau bei derartigen Experimenten war aber stets – zumindest – suboptimal. Solche Ergebnisse lassen sich bei einem wissenschaftlich einwandfreien Versuchsaufbau jedenfalls nicht erzielen.

Ein anderer Versuch ist die sogenannte Nahtodforschung. Hier versucht man Nahtoderlebnisse in einen wissenschaftlichen Kontext zu setzen. Eine Seele müsse es alleine deshalb geben, weil die schiere Masse an solchen Ergebnissen sich stets ähneln würde. Dem ist auch so. In aller Regel folgt auf einen langen Gang mit einem hellen Licht am Ende eine schöne Vorstellung, etwa von einem Strand oder aber einem Waldstück. Auch hier ist die Hirnforschung bereits vorangeschritten, die Entzauberung scheint perfekt. Das Licht entsteht durch eine Verengung des Blickfeldes, resultierend aus der vermehrten Ausschüttung von Glückshormonen. Logisch, denn die Natur setzt den Menschen beim Ableben nicht unter zusätzlichen Stress. Ähnliches lässt sich z.B. bei extremen Schmerzen nachweisen. Gleiches Erklärungsmuster bei den schönen Vorstellungen: Beim Ableben werden Halluzinogene freigesetzt. Wir erinnern uns an schöne Erlebnisse, Vorstellungen oder Träume.

Der Mensch mit seinen Wesenszügen ist die Seele – und zugleich Teil seiner neurobiologischen Anatomie. Stirbt das Gehirn, stirbt das Bewusstsein: Stirbt der Mensch. So jedenfalls der überwältigende Teil der Wissenschaft. Alles andere ist ein schöner Gedanke – in seiner Begründbarkeit aber ähnlich logisch, wie etwa der Glaube an Feen oder Drachen. Selbstredend aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Glaube heißt deshalb Glaube, weil es eben nicht beweisbar ist.