Das Wahrheits-Paradoxon

Wenn man sich einmal mit religiösen Menschen, ganz gleich welchen Glaubens oder welcher Konfession, unterhält, dann fällt schnell das Wort „Wahrheit“. Das geschieht dann etwa durch Sätze wie „[…] aber das ist die Wahrheit“ oder „mein Glaube ist der einzig wahre“.

 

Es wird also mit Gewissheit vom eigenen Glauben gesprochen. Das gilt bei Weitem nicht nur für religiöse Menschen, sondern auch für Atheisten oder starke Agnostiker. Auch hier geht man von der „Wahrheit“ im Hinblick auf die eigenen Überzeugungen aus, oft vermengt mit einer seltsamen Interpretation von Wissenschaftlichkeit.

 

Im Grunde ist Wissen oder eben Wahrheit in Glaubensfragen ohnehin widersprüchlich, schließlich benutzen wir nicht grundlos die Wörter „Glaube“ und „Unglaube“. Der Duden sagt zum Glauben Folgendes: „gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o. Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung“. Glaube weiß also nicht, sondern er glaubt. Es handelt sich um eine individuelle oder kollektive Gewissheit, die objektiv aber nicht als wahrhaftig gelten kann. Das heißt nicht, dass sie nicht wahr sein muss. Es steht aber infrage.

 

Wenn nun aber mehrere Parteien von einer religiösen „Wahrheit“ sprechen, in den jeweiligen Augen immer die Wahrheit, dann ergibt sich das Wahrheits-Paradoxon. Denn es kann nicht mehrere, oft einander widersprüchliche, Wahrheiten geben. Das heißt in der Schlussfolgerung, dass sich 99% der religiösen und/oder unreligiösen Menschen irren und nur 1% im Recht ist – davon ausgegangen, dass unter dem Angebot an vermeintlichen Wahrheiten die richtige Wahrheit dabei ist. Vielleicht irren sich auch 100%. Eine falsche Wahrheit kann es aber nicht geben. Der Duden sagt über die Wahrheit: „das Wahrsein; die Übereinstimmung einer Aussage mit der Sache, über die sie gemacht wird; Richtigkeit; wirklicher, wahrer Sachverhalt, Tatbestand“.

 

Folglich wäre es konsequenter und sprachlich sauberer, wenn man in theologischen Fragen nicht von einer „Wahrheit“ sprechen würde, sondern vielmehr von Glauben oder eben Unglauben. Die Wahrheit ist nämlich nur das, was objektiv richtig ist – und wir sollten von etwas nur dann als „Wahrheit“ sprechen, wenn wir sicher wissen, dass es wahr ist.

Advertisements

Atheismus – die Idiotie der Moderne

Atheismus bedeutet „ohne Gott“ beziehungsweise „gottlos“. In unserer heutigen Zeit wird damit die Annahme verbunden, dass es keinen Gott gäbe. Dem gegenüber steht nicht etwa der Glaube an einen Gott, sondern die Gewissheit über die Existenz eines Gottes.

Trotz diverser Gottesbeweise, wie etwa dem ontologischen oder dem kausalen, ist eine abschließende Feststellung über die Existenz Gottes selbstredend – zumindest aus heutiger Sicht – nicht möglich. Das liegt zum einen daran, dass der Mensch in seinen Mitteln stark beschränkt und daraus resultierend kaum fähig zu solchen Universalaussagen ist. Zum anderen daran, dass Gott – den Allmachts- und Allwissenheitsbegriff vorausgesetzt – größer ist, als das, was der Mensch zu erfassen im Stande wäre.

Die Aufklärung hat die Menschen aus dem kalten Dunkel des blinden Glaubens in eine Zeit des differenzierten, hinterfragenden Glaubens geführt. Glaube gilt seither bei aufgeklärten Menschen als eben jenes: Glaube. Kein Wissen.

Der Atheismus versucht hier einen größeren Bogen zu schlagen, der aber aufgrund der zuvor genannten menschlichen Beschränktheit zum verhungern verurteilt ist. Weshalb? Atheisten sagen, zumeist begründet durch evolutionär-darwinistische Überzeugungen, dass es Gott alleine schon deshalb nicht geben könne, weil alle großen Religionslehren der Erde Unrecht hätten. Einmal vorausgesetzt, dass es sich bei Gott tatsächlich mehr oder weniger um eine aus diesen Definitionen herauslesbare Erscheinung handelt, so bleibt doch eines offensichtlich: Ist die Existenz einer Sache nicht beweisbar – schon aus theoretischen Aspekten nicht – so ist folgerichtig auch die Nicht-Existenz eben dieser Sache ebenfalls nicht beweisbar.

Der Atheismus wird somit Opfer seiner eigenen Vorstellungen und offenbart damit die in ihm tief verwurzelte Idiotie, dass die Logik des modernen Menschen eine Sache zwar ausschließen, aber in ihrer Gänze nicht beweisen könne. Quasi die Eier legende Wollmilchsau des 21. Jahrhunderts.

Darüber hinaus stellen sich weitere Fragen: War Gott der Ursprung dessen, was die Wissenschaft heute als Entstehungsgeschichte deklariert? War Gott der Funke, der den Urknall losgelassen hat? Warum gibt es Gottesbeweise, die eine abschließende Klärung zwar schuldig bleiben, aber keine Beweise für die Nicht-Existenz Gottes?

Fazit: Beide Extreme sind in meinen Augen zu verurteilen, weil sie Wissen über einen Umstand vorspielen, bei welchem es aus menschlichen Perspektiven kein Wissen geben kann. Blinder Glaube ist ebenso abzulehnen wie die Behauptung, man könne die negative Existenz Gottes beweisen (Atheismus).