Deutscher Qualitätsjournalismus – Der Fall Relotius

Der deutsche Journalist Claas Relotius hat über Monate hinweg Geschichten erfunden und fiktive Figuren erschaffen, um diese dann als Tatsachenberichte und Reportagen zu veröffentlichen – und das nicht irgendwo, sondern beim Print- und Online-Giganten Spiegel.

Erschwerend hinzukommt, dass er die Artikel oft für propagandistische Zwecke im Sinne politischer Strömungen genutzt hat, vor allem aber auch, um etwa gegen die Politik von Donald Trump oder den Kurdenkonflikt zu argumentieren.

Besonders bedenklich ist dies nicht nur, weil derartige Fälschungen es in ein Magazin vom Format eines Spiegels geschafft haben – und das wäre eigentlich schlimm genug – sondern, weil derartige Vorkommnisse Wasser auf die Mühlen der „Lügenpresse“-Schreihälse sind.

Auch fragt man sich, wie der deutsche Journalismus im Allgemeinen funktioniert. Schließlich hat Relotius für seine Arbeiten den „Peter-Scholl-Latour-Preis für die Berichterstattung über das Leid von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten“ erhalten.

Wir sprechen hier also von Fälschungen eines preisgekrönten Journalisten, der unter anderem für den Spiegel, den Cicero, die taz, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Financial Times Deutschland geschrieben hat. Wenn so jemand seine Artikel fälscht, schönt oder gar komplett erfindet und es diese Fiktionen dann als Reportagen in einen Spiegel schaffen, dann fragt mich sich schon, was denn noch so alles falsch veröffentlicht worden ist – und das, wie ich, als jemand der eigentlich viel vom deutschen Journalismus hält. Das ist der eigentliche Schaden, den Herr Relotius angerichtet hat.

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Autor: Timo Schöber

Familienmensch, Gläubig, Christ, Autor, Akademiker, Intellektueller, Gamer, ehemaliger e-Sportler, Personaler, Tennis- und Handballspieler, Schachfan.