Genie und Wahnsinn – Martin Heidegger

Martin Heidegger, Philosoph mit dem Ziel einer denkerischen Grundlegung für ein neues Verständnis der Welt, gilt als einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Der aus Baden stammende Philosoph reiht sich in seiner Bedeutsamkeit für die Philosophie des 20. Jahrhunderts mit bei Größen wie Jean-Paul Sartre, Edmund Husserl oder Max Scheler ein.

Eine seiner Leitlinien und vorherrschenden Ideen war das Prinzip „Denken als Weg“. Dabei geht es nicht vorwiegend darum Antworten auf Fragen parat zu haben, sondern vielmehr den Prozess des Fragens selbst zu beleben. Das Fragen selbst sei Mittel gegen das Vergessen von Ideen, Prinzipien und Problemstellungen.

Übertragen kann man diese Art der philosophischen Auffassung insbesondere, wenn man sich mit Fragestellungen beschäftigt, die abschließend durch einen Menschen, aufgrund seiner kognitiven Beschränktheit, nicht geklärt werden können. Etwa die Frage nach dem Sein oder eine beweisende Herleitung vom „Prinzip Gott“. Das Denken legt auf seiner Reise einen Weg zurück, es ist eine sich bewegende Handlung, die nicht zwangsläufig einem abschließende Ziel unterworfen ist.

Darüber hinaus finden sich in Heideggers Wirken und Werken weitere interessante Ansätze, beispielsweise sein Verständnis von Wahrheit, die Auseinandersetzung mit der Kant‘schen Philosophie, Überlegungen zur Metaphysik oder aber auch Theorien zur Naturwissenschaft.

Wo viel Licht ist, ist oft aber auch viel Schatten. So war Heidegger von 1933 bis 1945 Mitglied der NSDAP, also der Nazi-Partei von Adolf Hitler. Darüber hinaus war er Mitbegründer des Ausschusses für Rechtsphilosophie im Jahre 1934, zu dessen weiteren Gründungsmitgliedern unter anderem Alfred Rosenberg (Chef-Ideologe der Nazis) und Hans Frank (Generalgouverneur der Nazis im besetzen Polen) gehörten – beides Kriegsverbrecher, die 1946 in Nürnberg hingerichtet worden sind. Auch die Philosophie Heideggers ist an einigen Stellen eklig, um es einmal deutlich zu sagen.

Martin Heidegger war Günstling, Profiteur und Verfechter des Nationalsozialismus‘. Auch machen die von ihm verfassten Schwarzen Hefte (1931 – 1975) deutlich, dass er Antisemit gewesen ist.

Es gibt also kaum eine Person des 20. Jahrhunderts, die so heterogen zu bewerten wäre: Einerseits ein wichtiger Denker und Philosoph, andererseits ein widerwärtiger Antisemit, Ideologe und Nazi.

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Autor: Timo Schöber

Familienmensch, Gläubig, Christ, Autor, Akademiker, Intellektueller, Gamer, ehemaliger e-Sportler, Personaler, Tennis- und Handballspieler, Schachfan.