Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) – Ein Plädoyer dafür

Das BGE sieht vor, dass jeder Bürger eines Landes eine vom Staat zu erbringende, finanzielle Zuwendung erhält, die in ihrer Höhe nicht variiert und an wirklich jeden ausgezahlt wird. Vom Milliardär bis zum Sozialhilfeempfänger, vom Professor bis zum Ungelernten, von der zehnfachen Mutter bis zum Single, vom Erwerbstätigen mit einer 48 Stunden Woche bis zum Arbeitslosen, wirklich jeder würde das BGE erhalten – „oben drauf“ beziehungsweise als Ersatz.

Es mag seltsam anmuten, dass ich, als jemand, der konservativ und wirtschaftsliberal denkt, für ein BGE plädiere.

Mein „Dafür“ hat mehrere Gründe:

1. Ich glaube, dass sich das Prinzip einer materialistischen Leistungsgesellschaft in mittelfristiger Zukunft überholt haben wird. Vielmehr werden die Menschen aus anderen Gründen einer Tätigkeit nachgehen, denn primär aus den Antrieben „Geld“ und „Lebensunterhalt“. Die Motivationsparameter „Selbstverwirklichung“, „Sinnhaftigkeit“, „gesellschaftlicher Nutzen und Fortschritt“ sowie „Forschung und Entdeckung“ werden zukünftig eine immer gewichtiger werdende Rolle spielen. Sie sind jetzt schon bei vielen wichtig, aber eben oft nur „ein Teil“.

2. Die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung der Welt wird zur Folge haben, dass weniger Erwerbstätige notwendig sein werden, um alle notwendigen produzierenden und dienstleistenden Tätigkeiten zu erbringen. Gleichzeitig wird es eine fortschreitende Erhöhung der Weltbevölkerung geben.

3. Wegfall einer Neidkultur: Das BGE stünde jedem zur Verfügung und würde den unteren Bevölkerungsschichten ein würdevolleres Dasein ermöglichen. Gleichzeitig wären mehr individuelle Investitionen in Bildung und Kindererziehung möglich. Menschen, die das BGE nicht benötigen, weil sie zum Beispiel subjektiv so empfinden, dass sie bereits genug Vermögen besitzen, können das Geld gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen.

4. Vergrößerung der Unabhängigkeit der Menschen von ihrem Arbeitsplatz, dadurch etwa eine Zunahme der Emanzipation und eine Verringerung psychischer Belastungslagen bei vielen Menschen.

5. Senkung der Lohnnebenkosten für Arbeitgeber, dadurch resultierend die finanzielle Möglichkeit zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze.

6. Verringerung des bürokratischen Aufwandes. Das BGE ist sehr einfach: Jeder bekommt das Gleiche. Eine komplizierte, arbeits- und bürokratieintensive Bedarfsermittlung und Verwaltung wäre demnach obsolet.

7. Durch ein BGE würden Berufe für viele Menschen interessanter, die einen sozialen Nutzen haben, aber leider schlecht bezahlt werden. Man denke etwa an Alten- und Krankenpfleger. Oft werden derartige Berufe aufgrund ethischer Überlegungen ergriffen. Häufig können Menschen dem Beruf aber nicht nachgehen, weil sie damit zum Beispiel keine Familie ernähren können, obwohl sie dem Beruf aus ethischen Gründen gerne nachgehen würden. Durch ein BGE wäre er einerseits weniger unattraktiv, andererseits würden vermehrt „die Richtigen“ den Beruf ergreifen.

8. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das muss sich in einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland auch finanziell widerspiegeln.

Alles in allem sehe ich deutlich mehr, das für die Einführung eines BGE spricht, als Argumente, die dem entgegenstehen.

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Autor: Timo Schöber

Familienmensch, Gläubig, Christ, Autor, Akademiker, Intellektueller, Gamer, ehemaliger e-Sportler, Personaler, Tennis- und Handballspieler, Schachfan.