Gewichtete und wertende Berichterstattung

Deutschland verfügt über eine weitgehend intakte Presse- und Meinungsfreiheit, auf deren Basis objektiv und umfassend berichtet werden kann. Als jemand, der gerne politische Talkshows verfolgt, bin ich so manches Mal aber doch leicht irritiert über die Zusammensetzung der Runden. Hierzu im Folgenden zwei Beispiele:

maybrit illner, ZDF, 08.11.2018
Thema: Neue Bündnisse, alte Fronten – was folgt auf Merkel?

Gäste: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Kevin Kühnert (SPD), Janine Wissler (Linke), Wolfgang Kubicki (FDP) und Michael Spreng (Politikberater).

Irritierend an dieser Zusammensetzung ist, dass die Herren Merz und Spahn, die ebenfalls prominente Kandidaten auf den CDU-Vorsitz sind, nicht eingeladen wurden. Und das obwohl Merz als Favorit gilt und Spahn Mitglied der Bundesregierung ist. Man hat lediglich Frau Kramp-Karrenbauer eingeladen, Merkel-Getreue und die am weitesten links stehende der Kandidaten.

Maischberger, ARD, 07.11.2018
Thema: Nach den Kongresswahlen: Was macht Trump, wie reagiert die Welt?

Gäste: Klaus von Dohnanyi (SPD, ehem. Hamburger Bürgermeister), Gayle Tufts (deutsch-US-amerikanische Entertainerin), Helene von Damm (ehem. US-Botschafterin), Julian Reichelt („Bild“-Chefredakteur) und Klaus Brinkbäumer („Spiegel“-Autor).

Vier der fünf Gäste haben eine ganz klare Anti-Trump-Einstellung, lediglich Herr Reichelt hat versucht differenziert zu argumentieren – und das ausgerechnet als jemand von der Bild. Ich persönlich halte Trump für einen Demagogen, der das zerbrechliche globale Geflecht, das wir in den letzten knapp dreißig Jahren aufgebaut haben, gefährdet. Im Umkehrschluss kann man ihm zugutehalten, dass er die von ihm vor der Wahl propagierten Versprechen, ob man sie nun teilt oder nicht, im Gegensatz zu den meisten Politikern, auch umsetzt (America first, Ausstieg aus dem Iran-Abkommen, Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, Streichung von Obamacare, Sicherung der Landesgrenzen, Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, etc.).

Als jemand, der tendenziell eher Trump-Gegner ist, erwarte ich von einer politischen Talkshow aber, dass Vertreter unterschiedlicher Meinungen zu etwa gleichen Teilen eingeladen werden. Mit den oben genannten Gästen verkam die Sendung zu einem einzigen Trump-Bashing. Einseitig und langweilig – und das sage ich als jemand, der die Politik von Trump doch eher bescheiden findet.

Das waren die beiden politischen Talkshows der vergangenen zwei Tage. Grundsätzlich wird dem regelmäßigen Zuschauer solcher Sendungen auffallen, dass fast immer ein Ungleichgewicht beim Einladen von Gästen existiert – und das in neunzig Prozent der Fälle zugunsten des eher linken Partei- und Meinungsflügels. Ich persönlich halte das für unwürdig hinsichtlich einer politischen Debattenkultur in einem Land wie Deutschland. Gerade und vor allem, wenn diese Sendungen dann auch noch auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt werden.

Richtiger wäre es, wenn man von beiden großen Flügeln immer zwei Vertreter einladen würde, dazu dann am besten noch ein bis zwei unabhängige Kommentatoren, etwa aus der Wissenschaft und der Forschung.

Die Präferenzen von politischen Journalisten in Deutschland, die den Grünen und der SPD am nächsten stehen, dürfen sich nicht in der Berichterstattung wiederfinden. Hier muss man neutral agieren. Alles andere ist einerseits unsachlich und ungerecht, bietet andererseits aber auch Angriffsfläche für demagogische Strömungen wie die AfD – und das kann eigentlich niemand wollen.

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Autor: Timo Schöber

Familienmensch, Gläubig, Christ, Autor, Akademiker, Intellektueller, Gamer, ehemaliger e-Sportler, Personaler, Tennis- und Handballspieler, Schachfan.