Minimalismus – Konsumverzicht – Askese

Das einfache Leben liegt im Trend. Viele Deutsche haben erkannt, dass der wahre Luxus unserer Zeit nicht Geld oder daraus finanzierte Dinge sind – sondern die Zeit selbst. Denn, was nutzt einem alles Geld der Welt, wenn man keine Zeit mehr hat, um etwas mit der Familie zu unternehmen, Hobbys zu betreiben, Freundschaften zu pflegen oder zu reisen?

Grundsätzlich sehe ich Trends eher kritisch. Für mich ist das immer nur das kurzfristige Aufkeimen einer Idee, die langfristig dann wieder verworfen, vergessen oder ersetzt wird. Auf diesen Trend möchte ich aber dennoch eingehen, weil er in Teilen meine eigene Lebensentscheidung widerspiegelt, die ich seit einigen Jahren pflege.

In Sachen Materialismus bedeutet das, dass mir die weltliche Habe nicht wichtig ist. Ich konnte noch nie etwas damit anfangen, wenn Menschen sich Statussymbole oder andere unnütze Dinge kaufen. Beispielsweise habe ich nie verstanden, warum ein „Städter“ etwa einen riesigen Jeep fahren muss. Warum ein 3-Personen-Haushalt in einem 150 Quadratmeter-Haus auf drei Etagen wohnt. Weshalb man sich eine Armbanduhr kauft, die 10.000 Euro kostet. Das hat sich mir immer verschlossen. Vielleicht, weil ich gar nicht den Drang habe dem eigenen Status mit materiellen Nichtigkeiten Ausdruck verleihen zu wollen.

Darüber hinaus ist unsere Konsumgesellschaft an vielen weiteren Stellen ohnehin kritikwürdig. Der durchschnittliche Deutsche kauft zum Beispiel 60 Kleidungsstücke pro Jahr, von denen er 12 nur einmal anzieht und dann entweder einmottet, wegwirft oder weitergibt. Andere Kleidungsstücke wandern gar komplett ungetragen in die Tiefen des Kleiderschrankes. Ein anderer Punkt ist, dass viele Menschen ausschließlich Markenkleidung kaufen. Es gibt dazu sehr erhellende Statistiken. So kann ein Pullover 20 Euro kosten und in der Qualität besser und fairer hergestellt worden sein, als ein Markenpullover für 80 Euro, bei dem man eigentlich nur irgendein Markensymbol bezahlt, das dort aufgedruckt oder aufgenäht ist. Ähnlich verhält es sich mit Smartphones. Warum kaufen Menschen ein iPhone für 1000 Euro, wenn es Smartphones für 150 Euro gibt, die mehr können, weiterentwickelt, zuverlässiger und leistungsfähiger sind?

Das sind nur ein paar Beispiele von vielen. Kritik in diese Richtung birgt immer die Gefahr, dass dem Kritiker Neid vorgeworfen wird. Daher ist es mir wichtig, dass auch ich diese Kritik äußere. Ich könnte mit meinem beruflichen Lebenslauf in materialistischer Sicht viel mehr, ich möchte nur einfach nicht. Richard David Precht hat einmal gesagt, dass der Erwerb weltlicher Dinge als Verlängerung des eigenen Egos fungiert – je kleiner das Ego, je größer der Drang nach Besitz. Im Grunde trifft er damit ganz gut den Punkt, verallgemeinert aber auch zu sehr. Es gibt mit Sicherheit viele Menschen, die sich teure Besitztümer leisten, weil sie das (vermeintlich) Schöne schätzen. Ich würde das, im Gegensatz zu Precht, also nicht derartig herabwürdigen, nur, weil der Lebensentwurf dieser Menschen anders ist als meiner.

Askese beschränkt sich, zumindest bei mir, aber nicht nur auf Eigentum und Besitz, sondern auch auf Erfolg. Sehr deutlich erkennt man das an meinen Hobbys. Früher wollte ich immer und überall gewinnen. Jede Liga, jedes Turnier, jeden Award. Das war (und ist) einfach ein Teil meiner Persönlichkeit. Inzwischen ruht dieser Teil in mir aber. Ich habe erkannt, dass das Streben nach weltlichem Erfolg sehr ähnlich verläuft wie das Streben nach Besitz – und im Grunde ist dieses Streben am Ende vergebens, weil alles Weltliche endlich ist.

Diese bewusste Askese trotz der Möglichkeit zu Reichtum und Erfolg mag ein ungewöhnlicher Lebensentwurf sein. Er macht, zumindest mich, aber sehr glücklich. Vor allem, wenn man diese Philosophie mit dem Wirken für andere verbindet. Ich denke auch, dass beispielsweise die zunehmende Zahl psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung, die Überbelastung der Menschen als auch das wirtschaftliche Gefüge deutlich machen, dass es so, wie es jetzt ist, nicht mehr lange weitergehen können wird. Vielleicht wird die Idee der Askese also irgendwann mehr zur Regel als zur Ausnahme. Ich bin gespannt!

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Autor: Timo Schöber

Familienmensch, Gläubig, Christ, Autor, Akademiker, Intellektueller, Gamer, ehemaliger e-Sportler, Personaler, Tennis- und Handballspieler, Schachfan.