Schwache Religionen

Als jemand, der Anhänger der Allversöhnung im Christentum ist, werde ich oft gefragt, warum ich dann eigentlich noch Christ sei oder christlich leben würde, wenn mir sowieso alles vergeben wird.

 

Erst einmal bin ich Christ, weil ich glaube, was in der Bibel steht. Das ist jetzt stark herunter gebrochen, aber im Grunde ist das der Kern des Christseins. Christ zu sein und christlich zu leben erfüllt mich mit Zufriedenheit, Hoffnung und Zuversicht. Was könnte es Schöneres geben, als die Gewissheit, dass am Ende für alle alles gut wird? Durch die hieraus erlangte Freiheit und Sicht auf die Welt begegnet man seinen Mitmenschen auch anders. Man sieht jeden als Menschen, den Gott liebt und der wertvoll ist. Man arbeitet nicht mit Schubladen, in die man Menschen steckt, etwa anhand ihres Berufs, ihrer politischen Ansicht oder ihrer Hobbies.

 

Das als kurze Zusammenfassung. Das eigentliche Thema dieses Beitrags ist aber ein anderes. Ich möchte die Frage aus dem Einleitungssatz mit einer Gegenfrage beantworten: Warum sollte ich an eine Lehre glauben, die mich inhaltlich nicht überzeugt, nur, weil ich Angst vor einer Bestrafung habe, wenn ich dieser Lehre nicht folge?

 

In meinen Augen sind Ideologien und Konzepte, allen voran Religionen, die so funktionieren, in einem besonderen Maße schwach. Sie sind sowohl in der Argumentation, als auch hinsichtlich von Sprachgewalt und Metaphysik offensichtlich so schlecht, dass sie ihren Anhängern und den „Ungläubigen“ drohen müssen, damit diese ihnen folgen. „Wenn du mir nicht folgst, dann kommst du in die Hölle“, „Nur wir sind auserwählt und alle anderen sind verloren“, „Wir sind die wahre Religion und allem Unwahren blüht die ewige Verdammnis“. So oder so ähnlich funktionieren viele Religionen.

 

Was soll mir das jetzt aber sagen? Ich folge doch nicht, weil ich Angst vor negativen Konsequenzen habe, sondern höchstens aus Überzeugung. Wenn ein Freund zu mir käme und sagen würde: „Du bist jetzt Fan vom FC Bayern München, oder ich schlage dich tot“, dann wäre ich doch, falls ich dann mit einem Bayern-Trikot durch die Gegend laufen würde, kein überzeugter Fan, sondern lediglich ein Pseudo-Fan, der in Angst lebt. Bei komplexen Konstrukten wie Religionen geht das noch tiefer: Wenn eine Religion mir schon drohen muss, dann würde ich mich im ersten Schritt fragen, warum sie mir eigentlich drohen muss, wenn ihre Argumenten doch angeblich so gut seien, dass ich ihr quasi folgen müsse. Kurz: Wenn eine Religion mir droht, dann ist sie offensichtlich so schlecht oder schwach, dass sie befürchtet, dass sie mich anders nicht bekommen kann.

 

Folglich sind Religionen, die ihren Gläubigen drohen, in meinen Augen keine Religionen der Stärke, sondern das genaue Gegenteil.

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Kritik: Hannibal – Fernsehserie

Für mich waren lange Zeit die Serien Emergency Room (ER) und South Park die Referenzen bei Fernsehserien – und sie gehören noch heute zu meinen absoluten Favoriten. Auch andere Serien haben mich in ihren Bann gezogen, etwa die Netflix-Reihen House of Cards, Mindhunter und Manhunt oder die HBO-Serie Game of Thrones.

 

Unübertroffen ist für mich persönlich aber die NBC-Serie Hannibal, die in 3 Staffeln mit insgesamt 39 Folgen in den Jahren 2013 bis 2015 ausgestrahlt worden ist.

hannibal

Die Serie dreht sich um den Psychopathen und Serienmörder Hannibal Lecter, den wir bereits aus den Filmen rund um Das Schweigen der Lämmer kennen. Die Serie geht dabei aber einen etwas anderen Weg und folgt nur in Teilen der aus den Romanen und Filmen bekannten Vorlage.

 

Essentiell ist für den Film die Beziehung von Lecter, der als Psychiater arbeitet und das FBI berät, und dem FBI-Agenten Will Graham. Die unterschwellige Beeinflussung Grahams durch Lecter ist herausragend und die Auflösung des hervorragenden Spannungsbogens sucht seinesgleichen. Lecter und Graham fahnden gemeinsam mit dem FBI nach Serienmördern, die häufig zuvor Patienten von Lecter gewesen sind.

 

Dabei spielen auch andere Charakterbeziehungen eine Rolle, etwa die der Alana Bloom mit den beiden Hauptpersonen oder die des Chefs der FBI-Abteilung Jack Crawford mit allen Beteiligten. Der Verdacht fällt nur langsam auf Lecter selbst und der Weg dorthin ist vielen Hochs und Tiefs unterworfen. Die späteren Folgen der Serie beschäftigen sich dann mit dem Weg zur Ergreifung Lecters und bieten dabei zahlreiche Sideevents.

 

Die Darstellung der Taten und der Opfer der Serienmörder ist in der Serie drastisch, entspricht aber teilweise realen Vorlagen, auch, wenn diese oft überspitzt dargestellt werden. Die Serie ist also nur etwas für Menschen mit einem starken Magen.

 

Die Story, die Charakterentwicklung, der Spannungsbogen sowie die Aufmachung der Serie ergeben in Summe ganz klar 5 von 5 Sternen von meiner Seite. Viel besser kann man eine Serie nicht umsetzen. Vor allem die darstellerischen Leistungen von Mads Mikkelsen (Lecter), Hugh Dancy (Will Graham), Laurence Fishburne (Jack Crawford) und Gillian Anderson (Bedelia Du Maurier, Nebenrolle, Hauptrolle ab der 3. Staffel) sind fantastisch.

 

 

Die Crux der Konservativen

Sozialdemokratisierung der CDU, Streit innerhalb der Union, gute Umfragewerte der AfD – Konservative haben es in diesen Tagen nicht leicht in Deutschland.

 

Wie konnte es aber dazu kommen? Früher war das natürliche politische Zuhause eines Konservativen die CDU, in Bayern die CSU. Die drei Säulen der Unionsparteien waren die Liberale, die Christlich-Soziale und die Konservative. Es wurden verschiedene gesellschaftliche Strömungen abgebildet und man stellte als eine der beiden klassischen Volksparteien in Deutschland den Gegenpart zur SPD, die für die Sozialdemokratie zuständig gewesen ist. Daneben gab es in Deutschland weitere Parteien eher kleinerer Natur, die allen eine politische Heimat gegeben haben, die sich keiner der Volksparteien zugehörig gefühlt haben. Allen voran sind hier die FDP (für sehr liberale Menschen) und die Grünen zu nennen, am ganz linken Rand zusätzlich die Linke.

 

Spätestens seit der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder ist dieses übersichtliche politische Gefüge aus den Fugen geraten. Mit der Agenda 2010 hat die SPD ein wichtiges und zukunftsweisendes Projekt ins Leben gerufen, das die SPD ideologisch und auch realpolitisch hat aber deutlich nach rechts rücken lassen. Ein klassisches Konzept der Sozialdemokratie ist die Agenda 2010 nicht.

 

Seit 2005 ist Angela Merkel nun deutsche Bundeskanzlerin. Unter ihr erfuhr die CDU das, was auch die SPD durchgemacht hat: Eine Abkehr vom historischen Markenkern der Partei. Die CDU wurde unter Kanzlerin Merkel deutlich nach links gerückt, zu erkennen an der Aufgabe vieler Grundsätze, die die CDU über Jahrzehnte ausgemacht haben. Man denke hier etwa an die Abschaffung der Wehrpflicht im Jahre 2011, die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns 2015 oder die Legalisierung der sogenannten „Homoehe“ im Jahre 2017.

 

Neben der Flüchtlingskrise (seit 2015) ist diese Sozialdemokratisierung der CDU ausschlaggebend für die Implementierung und Stärkung einer neuen Partei in Deutschland: Der AfD. Diese Partei sitzt rechts der CDU, sowie der CSU, und vereint in sich chauvinistische, nationalistische und in Teilen auch völkische Strömungen. Darüber hinaus fanden viele unzufriedene, ehemalige CDU-Mitglieder den Weg zur AfD.

 

Die AfD, man gestatte mir diese subjektiv-wertenden Worte, ist das Widerlichste, was der Bundesrepublik seit Jahrzehnten auf einer größeren politischen Ebene passiert ist. Für einen Konservativen ist sie unwählbar.

 

Im Gegensatz zur CDU verblieb die CSU auf ihrem natürlichen Platz. Sie ist nach wie vor eine Partei, die auf die ursprünglichen drei Säulen der Union setzt, während die CDU die konservative Säule durch eine sozialdemokratische Säule ersetzt hat. Das kann man gut oder schlecht finden, es ergibt sich daraus aber eine Crux für konservative Demokraten außerhalb Bayerns: Wen sollte man wählen, wenn man jemanden mit einer Machtoption wählen möchte? Also jemanden, der auf Bundesebene sicher die 5%-Hürde schafft. Die AfD ist undemokratisch, antieuropäisch und damit unwählbar, zudem ist sie nicht konservativ, weil sie fundamentale Werte dieses Landes verrät. Die CDU ist durch ihre Sozialdemokratisierung keine in großen Teilen konservative Partei mehr, auch, wenn es noch konservative Strömungen wie den Berliner Kreis gibt. SPD, Grüne und Linke sitzen links von der CDU, passen also ebenfalls nicht ins übliche Wahlverhalten eines Konservativen. Bliebe die FDP. Kann aber eine rein liberale Partei wirklich die letzte Wahloption für Konservative in Deutschland sein?

 

Das ist die Crux der Konservativen in Deutschland: Es gibt keine echte Wahloption auf Bundesebene für sie.

Wie schreibt man einen Bestseller?

Ich werde oft gefragt, wie man am besten ein Buch schreibt, das sich möglichst oft verkauft. Dabei ist dies bei der Erstellung eines Buches die völlig falsche Herangehensweise.

 

Abverkäufe oder eine hohe Auflage sind zwar schön, aber in meinen Augen nur sekundär, wenn es ums Schreiben geht. Das sehe ich auch deutlich an meinen eigenen Büchern: Mein mir persönlich wichtigstes Buch ist „Gedanken eines Rastlosen“. Von meinen vier Büchern hat sich „Gedanken eines Rastlosen“ in Relation zur Zeit und anderen Aspekten am drittschlechtesten verkauft. „Bildschirm-Athleten“ und „Himmlisch kleiner Schein“ sind Bestseller, „Gedanken eines Rastlosen“ ist es nicht. Dennoch ist es mein wichtigstes Buch – und wird es auch bleiben.

 

Warum ist dem so? Erst einmal ist es mein erstes Buch. Das macht es für mich zu etwas Besonderem. Aber viel wichtiger ist, dass in „Gedanken eines Rastlosen“ die für mich wichtigsten Themenfelder behandelt werden: Gott, Religion, Philosophie, Gesellschaft und Politik. Ich verarbeite in dem Buch Gedanken, Ideen und Theorien, die ich über einen langen Zeitraum gesammelt und entwickelt habe. Deshalb verkauft sich das Buch aber nicht automatisch gut, vor allem, weil die Themen sehr komplex, nicht leicht zu erfassen und in weiten Teilen auch nicht dem Zeitgeist entsprechend sind.

 

Aber auch bei meinen anderen Büchern bin ich nicht mit dem Gedanken darangegangen, die Bücher möglichst oft zu verkaufen. Viel wichtiger war mir, dass die Bücher meinen Interessen entsprechen und ich Lust darauf habe sie zu schreiben. Mit „Himmlisch kleiner Schein“ habe ich gleichzeitig in einen Bereich gezielt, der kaum noch Beachtung findet – nämlich die Lyrik. Das ist zum einen schade, zum anderen aber auch gut, da das Angebot an solchen Büchern am Markt überschaubar ist. Die Nachfrage ist zwar auch nicht so hoch wie in anderen Segmenten, aber höher als das Angebot. Unter anderem dadurch hat sich das Buch sehr oft verkauft – und hoffentlich auch, weil den Menschen der Inhalt gefallen hat.

 

In „Bildschirm-Athleten“ setze ich mich mit dem Phänomen e-Sports auseinander. Ich selbst war lange Zeit e-Sportler und beschäftige mich privat auch heute noch quasi täglich damit. Daher ist meine persönliche Leidenschaft bei dem Thema sehr ausgeprägt. Zusätzlich bedient das Buch eine Thematik, die sehr aktuell und im Kommen ist. Ferner zielt es in eine Nische, denn im deutschsprachigen Raum gab es zuvor kein umfassendes Sachbuch zum e-Sports. Das Feedback zum Buch war bisher durchweg positiv und über Mundpropaganda und ein wenig Werbung sind viele Menschen darauf aufmerksam geworden.

 

Wie schreibt man nun aber einen Bestseller? Nun, wenn man es wirklich nur darauf anlegt, dann sollte man eine Markt- und Zielgruppenanalyse machen, sich eines Themas annehmen, das gesellschaftlich relevant, hochaktuell und bei dem das Angebot an entsprechender Literatur vergleichsweise gering ist – bei zu erwartender hoher Nachfrage.

 

Für mich persönlich wäre das aber niemals der richtige Weg. Viel wichtiger sind in meinen Augen: Feuereifer für das Thema, ein persönliches Interesse am Buch sowie Ausdauer und Wille. Daneben sollte man selbstredend einigermaßen Schreiben können, vor allem hinsichtlich schriftstellerischer Merkmale, der Rechtschreibung sowie der Grammatik.

 

Man sollte auch stets bedenken, dass der Leser Zeit, Gedanken und Geld ins Buch investiert. Daher finde ich es schon alleine aus Gründen des Respekts selbstverständlich, dass man ein Buch abliefert, das man auch selbst gerne lesen würde.