Die Mär von der Vollbeschäftigung

In Deutschland gelten aktuell ca. 2,3 Millionen Menschen als arbeitslos, soweit die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Grundsätzlich fallen in diese Statistik nur Personen, die sich bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet haben, gar nicht oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten oder aber nach einem sozialversicherungspflichtigen Job suchen. Vollbeschäftigung wird, je nach Zeit und Definition, bei einer Arbeitslosenquote von bis zu 6,0% festgelegt. In Deutschland liegen wir momentan bei ungefähr 3,5%.

 

Das klingt erstmal toll. Dabei wird die Arbeitslosenstatistik geschönt und viele Menschen, die nicht von ihrem Job leben können, fallen aus dieser Statistik raus. Das wären in Deutschland erst einmal Menschen, auf die zwar die oben genannten Kriterien zutreffen, die offiziell aber nur als „unterbeschäftigt“ gelten. Das sind etwa Personen, die an Maßnahmen der Arbeitsagentur teilnehmen oder aber älter als 58 Jahre sind und Arbeitslosengeld II beziehen. In Deutschland wird die Zahl der „Unterbeschäftigten“ zumeist um die 1 Million Menschen beziffert. Es fallen so beispielsweise 1-Euro-Jobber, Langzeitarbeitslose, die ein Bewerbungstraining machen oder aber Menschen in Integrationskursen aus der Arbeitslosenstatistik, obwohl sie de facto arbeitslos sind.

 

Hinzukommen Menschen, die arbeitslos sind, sich aber nicht arbeitslos gemeldet haben. Das sind in Deutschland, je nach Schätzung, bis zu 500.000 Personen.

 

Aber auch hier ist das volle Ausmaß der tatsächlichen Problematik nicht erreicht. Grundsätzlich ist nicht die Arbeitslosenstatistik interessant, sondern die Anzahl jener, die unterversorgt sind. Also auch solche Menschen, die zwar arbeiten oder gearbeitet haben, die aber nicht oder nur unzureichend von ihrem Einkommen leben können oder dieses gar aufstocken müssen.

 

Hierzu zählen zum Beispiel Menschen, die in unfreiwilliger Teilzeit arbeiten, viele Alleinerziehende und besonders Mindestlohn-Beschäftigungsverhältnisse. Erstere machen in Deutschland ca. 200.000 Personen aus, Letztere etwa 5.000.000.

 

Bereinigt man die Statistik um diese Personengruppen, dann leben in Deutschland ca. 9 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter, die unterversorgt sind. Das entspräche einer Quote von ungefähr 13,5% – und damit liegen wir weit weg von einer Vollbeschäftigung.

 

Darüber hinaus könnte man auch noch über die vielen Rentner sprechen, die zwar ihr Leben lang gearbeitet haben, aber von einer Rente unter 1.000 Euro leben müssen oder aber von den knapp 6 Millionen Menschen, die direkt von Altersarmut bedroht sind. Das wäre aber ein anderes Thema.

 

 

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Widersprüchlichkeit im Glauben

Häufig stellen sich gläubige Menschen die Frage, wie mit paradoxen Sachverhalten in der Lehre, der Heiligen Schrift oder dem Glaubenssystem im Allgemeinen umzugehen sei.

 

Auch die Bibel ist voll von Widersprüchen. Ich möchte die Thematik an einem Beispiel festmachen:

 

„Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.“

Römer 10:10

 

Die Errettung und Erlösung durch Gott scheint an Bedingungen geknüpft zu sein, vorwiegend an den Glauben an Gott sowie die Bekenntnis zu ihm. Diese Bedingungen finden sich an vielen Stellen in der Bibel, zum Beispiel auch in Römer 3:24-26 oder in 1. Johannes 1:9.

 

An anderer Stelle ist davon aber nicht mehr die Rede, etwa hier:

„Haß erregt Hader; aber Liebe deckt zu alle Übertretungen.“

Sprüche 10:12

 

Was ist aber Gott anderes als ein liebender Vater? Auf das Prinzip der Allvergebung bin ich bereits in diesem Artikel eingegangen.

 

Bei solchen Widersprüchen ist entscheidend, unabhängig von der Interpretation von Metaphern und Gleichnissen, was die Grundaussage der jeweiligen Glaubenslehre ist. Beim Christentum wäre diese, dass Gott ein liebender Vater ist und sein Sohn uns errettet hat. Wenn Gott aber ein liebender Vater ist und sein Sohn uns errettet hat, würde er uns dann verstoßen? Wäre das Opfer Jesus‘ nicht halbgar mit einem „Wenn“ als Prämisse? Ein liebender Vater liebt seine Kinder, ganz gleich was sie tun: Er steht zu ihnen – und im Grunde ist das auch die Kernaussage der Bibel:

„Und derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren sondern auch für die der ganzen Welt.“

1. Johannes 2:2

 

Bei Widersprüchen ist also entscheidend, dass man sich anschaut, was der Tenor des jeweiligen Glaubens ist. Beim Christentum sind es ganz klar die Prinzipien Liebe und Vergebung.

 

 

Der Akademisierungs-Wahn

Als ich vor ca. 15 Jahren mit meinem Studium begonnen hatte, waren es noch circa 30% eines Jahrgangs, die ein Studium begonnen hatten. Das war schon damals in meinen Augen deutlich zu viel, vor allem, wenn man sich einmal angeschaut hat, wer da so alles studiert hat. Hat man sich mit den Kommilitonen über Themen unterhalten, die nicht zum eigentlichen Studium gehört haben und gleichzeitig zur Allgemeinbildung zu zählen wären, dann hat man schnell Erschreckendes feststellen müssen. Da fehlte es häufig an den einfachsten und wichtigsten Wissensfundamenten. Man hatte den Eindruck, als würden an Hochschulen nur noch Fachidioten gezüchtet werden.

 

Heute, knapp 15 Jahren später, beginnen über 50% eines deutschen Jahrgangs ein Studium, also mehr als die Hälfte. Das wirft mehrere Fragen auf:

  1. Wer braucht so viele Akademiker?
  2. Woher erhalten wir zukünftig ausgebildete Fachkräfte (Ausbildung/Lehre)? Also so Berufsbilder wie Industriemechaniker, Mechatroniker, Energieelektroniker, Systemadministratoren, Bankkaufleute, Versicherungskaufleute, Groß- und Außenhandelskaufleute, Bäcker, Friseure, Maurer, Installateure, Kaufleute für Marketingkommunikation, Postboten, Verkäufer, Einzelhandelskaufleute, Pflegekräfte, Krankenpfleger, medizinische Assistenten, Tierpfleger, Busfahrer, Verwaltungsfachkräfte, Unteroffiziere, Physiotherapeuten, Fitnesskaufleute, Müllentsorger und so weiter.
  3. Welchen Tiefgang und welchen Anspruch haben Studiengänge, wenn über 50% der Bevölkerung diese absolvieren und/oder abschließen können? Welche Alleinstellungsmerkmale kann es dort noch geben?
  4. Wie gehen wir mit dieser Verschiebung beim Anteil von Akademikern an der Gesamtbevölkerung um?

 

Besonders auffällig war für mich persönlich in der Vergangenheit, dass viele Studenten meinen, dass sie alles können und gerade beim Gehalt besonders hohe Ansprüche stellen könnten. Das gilt vor allem für Berufsanfänger. Wenn aber nun über 50% der jungen Menschen in Deutschland einen akademischen Hintergrund haben, sind diese Prämissen bei der Jobsuche dann überhaupt noch haltbar? Ich meine: Nein!

 

Gerade die Studiengänge des Bologna-Systems haben in meinen Augen deutlich an Substanz verloren. Dabei muss man aber auch fair denen gegenüber sein, die fähig sind. Es gibt sehr viele gute und ganzheitliche Studenten. Das ist die andere Seite der Medaille. Wir brauchen studierte Menschen, nur eben nicht in der Art und dem Umfang wie es derzeit die Entwicklung und auch der Ist-Stand in Deutschland suggerieren. Wir benötigen Wissenschaftler, Analysten, Führungskräfte, Controller, Konstrukteure, Programmierer und so weiter – und es gibt viele sehr gute Akademiker, die hervorragend auf das Berufsleben vorbereitet sind und mit realistischen Vorstellungen in die Jobsuche starten und dabei gleichzeitig mehr wissen, als nur Inhalte vom eigenen Fach. Alle Studenten abzuwerten, nur, weil sie keine andere Wahl haben als im Bologna-System zu studieren, wäre also genauso falsch, wie zu meinen, dass alle Akademiker besonders schlau, fähig und gebildet seien.

 

Das ist die Crux. In meinen Augen wäre die Lösung, dass man schon einen Schritt zuvor, nämlich bei Schulabschlüssen, die einen Hochschulzugang ermöglichen, anfängt. Es machen zu viele Menschen Abitur und/oder Fachhochschulreife. Solche Abschlüsse sind zu leicht in Deutschland zu erhalten. Ferner sollte man auch bei den Studiengänge wieder „anziehen“, das heißt, dass man die Ganzheitlichkeit als auch den allgemeinen Anspruch an ein Studium wieder deutlich erhöhen sollte.

 

Wir brauchen nicht endlos viele Akademiker, auch im Zeitalter der Digitalisierung nicht. Das sich die Quote aufgrund dessen erhöhen wird, steht außer Frage. Aber eine Arbeitswelt, die nur aus Köpfen und nicht mehr aus einem Körper besteht, kann langfristig nicht funktionieren. Zumal in meinen Augen durch diesen Akademisierungs-Wahn auch die Ausbildung und die Lehre in Deutschland entwertet werden. Es kommt einem so vor, als sei man ohne Studium und/oder Abitur nichts mehr wert. Dabei haben wir in Deutschland eine hervorragende duale Ausbildung, um die uns das Ausland beneidet. Menschen ohne Studium und mit einer abgeschlossenen Ausbildung/Lehre sind herausragende Know-How-Träger und Fachkräfte, ohne die dieses Land und unsere Wirtschaft nicht funktionieren können. Auch Menschen ohne Abitur können über wichtige und wertvolle Fähigkeiten verfügen, etwa beim praktischen Geschick und handwerklichen Arbeiten. Solche Fähigkeiten sind ebenso wichtig wie solche akademischer Natur. Das sollte man sich immer vor Augen halten.