Erfolg als Strategiespieler – Faktoren

Gerade im Bereich des e-Sports‘, der Tabletops und im Allgemeinen der Brettspiele werde ich manchmal gefragt, wie ich das „eigentlich gemacht habe“, dass ich so viel gewinnen konnte. Das ist einerseits natürlich schmeichelhaft, andererseits waren meine Antworten aber stets die gleichen. Besonders folgende Faktoren sind in meinen Augen von Bedeutung, wenn man im Bereich von Strategiespielen, seien sie digital oder analog, erfolgreich sein möchte. Auch, wenn ich schon einige Jahre nicht mehr als leistungsorientierter Spieler unterwegs bin, möchte ich Interessenten dennoch ein paar Einblicke geben. Dabei handelt es sich lediglich um meine Meinung und meine Herangehensweise und mitnichten um eine allgemein gültige Wahrheit.

 

Leidenschaft

Wie überall im Leben sollte man das, was man macht, auch gerne machen. Je mehr Leidenschaft und Begeisterung man für eine Sache aufbringen kann, desto leichter wird es einem fallen, in eben jener Sache auch erfolgreich zu sein. Das liegt zum einen daran, dass man Inhalte, Spielmechaniken und andere Dinge schneller lernt, zum anderen auch daran, dass man bereit ist mehr Zeit und ggf. auch Geld in das Hobby zu investieren.

 

Zeit

Der Faktor Zeit ist aus mehreren Gründen wichtig. Es bedarf Zeit, um ordentlich trainieren und viele Spiele absolvieren zu können. Ferner ist Zeit wichtig, um potenzielle Gegner (Fraktionen, Armeen, Spieler, etc.) zu analysieren, sich auf turnierspezifische Gegebenheiten einzustellen und eine Sichtung des eigenen Spielens vorzunehmen. Je besser ich das Umfeld, die Gegner und mich selbst kenne, desto leichter wird es mir fallen, bei einem Wettbewerb gut abzuschneiden.

 

Wissen

Bei eigentlich alle Strategiespielen, vor allem solchen, die „lebendig“ sind, sich also stetig verändern, sind Kenntnisse des Spiels von großer Bedeutung über Sieg oder Niederlage. Das betrifft vor allem das aktuelle Meta, also das, was zur Zeit am ehesten gespielt wird und am besten funktioniert. Aber auch Wissen über beispielsweise Armeen, Karten (Maps), Fraktionen, Gegenstände, etc., das kann sich von Spiel zu Spiel stark unterscheiden, ist von immenser Wichtigkeit. Nur so kann ich Vor- und Nachteile sondieren, geographische Lagen richtig ausnutzen und Schwachstellen beim Gegenüber ausschlachten.

 

Fitness

Das mag merkwürdig klingen, aber zu meiner „Topzeit“ war ich körperlich fit. Je gesünder der Körper ist, desto besser funktioniert auch der zum jeweiligen Körper gehörende Geist. Das ist nicht immer so, aber doch meistens. Spielt man beispielsweise bei einem Turnier mit, das über drei Tage geht und bei dem es pro Tag vier Spiele à zwei bis drei Stunden gibt, dann ist man schnell „platt“. Einmal aufgrund der Anspannung, des Denkens und der Konzentration – und je nach Disziplin auch aufgrund körperlicher Aspekte, beim e-Sports etwa wegen der Belastung des Rückens, bei Tabletops zum Beispiel aufgrund der zumeist stehenden Haltung.

 

Disziplin

Man sollte diszipliniert sein und sich an einige Trainings- und Grundlagenpläne halten. Ein „heute habe ich keine Lust“ kann schnell zur Regel werden und zu einer Abwärtsspirale führen. Das gilt für alle Aspekte des Hobbys, vor allem aber für das spielerische Training, die Vorbereitung und auch die Fitness.

 

Flexibilität

„Kein Kriegsplan überlebt den ersten Zusammenstoß mit dem Feind.“, so lautet ein berühmtes Zitat, das entweder von Carl von Clausewitz oder aber von Helmuth von Moltke stammen könnte. Das gilt oft auch für Strategiespiele, wobei ich das Zitat hier etwas entschärfen und „Kein“ in „Kaum ein“ austauschen wollen würde. Das bedeutet, dass man sich als Spieler auf neue Situationen einstellen können muss, sowohl auf als auch neben dem „Schlachtfeld“.

 

Mathematik

Viele Strategiespiele beruhen zu einem gewissen Teil auch auf dem Zufallsprinzip, etwa, wenn Würfel im Spiel sind. Oft sind solche Würfelwürfe an bestimmte Faktoren geknüpft, die die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Würfelwurfes verschieben. So könnte es zum Beispiel sein, dass eine drei oder besser auf einem sechsseitigen Würfel zu einem Erfolg führt. Das würde einen Erfolg wahrscheinlicher machen als einen Misserfolg. Bei einer gewissen Anzahl an Würfen, die mitunter auch aufeinander aufbauen können, ist es wichtig, dass man schnell einfache Wahrscheinlichkeiten und auch solche, die in einer Abhängigkeit zueinander stehen, ermitteln kann. Das aber nur als eines von vielen Beispielen. Wie im echten Leben auch ist bei Strategiespielen Mathematik quasi allgegenwärtig und mathematische Fähigkeiten sind daher zwingend erforderlich, wenn man erfolgreich sein möchte.

 

Scouting

Bei Disziplinen, die nicht „offen“ sind und von jedem zu jeder Zeit komplett eingesehen werden können, ist es wichtig, zu „scouten“, also die Karte (Map) aufzudecken. Das gilt vor allem für Echtzeitstrategiespiele im Bereich des e-Sports. Das ist beispielsweise wichtig, um gegnerische Bewegungen rechtzeitig zu sehen, die Strategie des Gegenübers zu analysieren oder auch um neue Ressourcenquellen zu sichten.

 

Innovation

Man sollte versuchen sich selbst neue Strategien und Taktiken zu überlegen. Sowohl im Hinblick auf die eigene Aktion, aber auch als Reaktion auf beispielsweise Meta-Spielweisen. Je innovativer meine Ideen sind, desto schwerer kann sich mein Gegenüber darauf einstellen.

 

Trainingspartner

Man sollte sich für das eigene Training am besten Spieler suchen, die sich auf einem ähnlichen Level bewegen wie man selbst. Dadurch bleibt das eigene spielerische Niveau auf einem entsprechenden Level.

 

Geld

Bei einigen Disziplinen spielt (leider) auch die Bereitschaft eine Rolle, Geld ins Hobby zu stecken. Nicht bei allen Disziplinen spielt man als „Profi“ um Gewinne, sondern, beispielsweise bei Tabletops, gibt es in der Regel gar keine „Profiszene“. Möchte man oben mitspielen und sich stets ans Meta anpassen, dann muss man Geld in die Hand nehmen (bei zum Beispiel Warhammer 40k kann eine neue Armee mal schnell über fünfhundert Euro kosten). Im e-Sports ist Geld, das man selbst investieren muss, aber ein zu vernachlässigender Faktor.

 

Das nur als kurzer Umriss für interessierte und ab und zu nachfragende Menschen. Ich hoffe, dass das ganz hilfreich ist. Gerne stehe ich per E-Mail oder auch persönlich (wenn man sich kennt) für Fragen zur Verfügung. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass mir selbst derartige Erfolge nicht mehr so wichtig sind und ich mittlerweile rein aus „Spaß“ spiele, mit wenigen Ausnahmen.

 

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Autor: Timo Schöber

Familienmensch, Gläubig, Christ, Autor, Akademiker, Intellektueller, Gamer, ehemaliger e-Sportler, Personaler, Tennis- und Handballspieler, Schachfan.