Ninjas in Pyjamas (NiP) – Vom Fall einer Legende

Die Ninjas in Pyjamas (NiP) sind in der Counter-Strike-Szene mit Unterbrechungen seit dem Jahre 2000 ein Name wie Donnerhall. Spätestens seit 2001 haben sie den internationalen Counter-Strike-Aufstieg mitgeprägt, teilweise sogar dominiert.

 

Turniersiege bei der Cyberathlete Professional League Weltmeisterschaft, der NGL ONE, diversen Dreamhack-Veranstaltungen, der Starseries und den Copenhagen Games sind nur einige der großen Erfolge dieses legendären Clans.

 

Mittlerweile ist NiP seit einigen Monaten, vielleicht sogar Jahren, kein Tier1-Team mehr, also kein Team, dass zur internationalen Spitze gehört. Man hat versucht dem mit Wechseln im Team zu begegnen, indem man beispielsweise die Spieler Robin „Fifflaren“ Johansson und später Adam „friberg“ Friberg ersetzt hat. Der große Erfolg in Form eines weiteren Major-Titels blieb aus. Im Gegenteil: Die Erfolge wurden immer seltener, die Wahrnehmung in der Szene als Topteam schwand – und ist mittlerweile gar mehr oder weniger verschwunden.

 

Aber woran liegt das? NiP setzt nach wie vor auf einen Kern aus drei alten Spielern, die seit vielen Jahren zusammen spielen. Das ist einerseits gut, weil man auf Konsistenz und Stabilität setzt und dies neuerdings mit neuen, hungrigen Spielern ergänzt. Andererseits wirkt auf mich persönlich die Luft bei den „alten Herren“ etwas raus. Die Spritzigkeit fehlt, ebenso wie die taktische Innovationsfähigkeit.

 

Ich kenne das von meiner eigenen e-Sports Karriere. Im Alter lassen nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, vor allem hinsichtlich der Reaktionsfähigkeit nach, sondern man benötigt als Mitzwanziger oder gar Mensch der Generation 30+ einen ganz anderen Energieaufwand um noch einmal anzugreifen, als ein 18jähriger oder Anfang 20jähriger. Außerdem ist man irgendwann satt, wenn man quasi „alles“ erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte. Geld ist bei vielen e-Sportlern eher ein sekundärer Motivationsgrund, primär geht es häufig eher um den Gewinn von Titeln, darum der Beste zu sein und auch um Freundschaften, interkulturelle Aspekte sowie das Teamgefühl. Fallen die ersten beiden primären Gründe mehr oder minder weg, sind bei jungen Spielern aber mit Feuereifer vorhanden, dann hat man, neben den körperlichen Aspekten, einen deutlichen Nachteil als älterer Spieler.

 

Ich glaube nicht, dass NiP mit dem aktuellen Kern noch einmal ganz nach oben kommen wird. Die drei Spieler sind Legenden und haben für den e-Sports unsagbar viel erreicht und geleistet. Aber ihre Zeit dürfte schlicht vorbei sein, so wie auch irgendwann die Zeit für Profispieler aus klassischen Sportarten vorbei ist. Das ist einerseits schade, sollte aber andererseits der nachkommenden Generation an Spielern die Möglichkeit geben, in einem Trikot von NiP auflaufen zu dürfen. Es ist Zeit Platz zu machen.

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Zwischenstand: e-Sports Buch

Nach dreieinhalb Monaten Arbeit am e-Sports Buch, habe ich inzwischen gut zwei Drittel des Buches im Groben fertig. Ebenso sind zwei von drei Interviews mit ehemaligen e-Sportlern bereits erfolgt. Ein Freund von mir, der als selbstständiger Designer arbeitet, erstellt das Cover/den Einband, auch hier ist das Wichtigste besprochen.

 

Der Zwischenstand liest sich in Zahlen wie folgt:

400+ Seiten

28 Kapitel

220 Fußnoten

80+ Einträge im Glossar

90+ Abkürzungen im Verzeichnis

 

Veröffentlicht wird das Buch nach derzeitiger Planung wohl im Mai/Juni 2018. Das Cover/der Einband wird Mitte April fertig sein. Das Manuskript sollte etwa zur gleichen Zeit fertig werden. Dann folgen noch Lektorat und Korrektur.

 

Ich freue mich schon auf das fertige Ergebnis.

Mein Weg aus der CDU

Ich bin ein demokratie-begeisterter Mensch. Das System hat seine Schwächen, bedarf einer Reform und ist an vielen Stellen behäbig, aber es gibt kein anderes politisches System, das man erprobt hätte und das besser gewesen wäre. Die Demokratie hat Wohlstand, Sicherheit und die gesellschaftliche Partizipation der meisten in ihr lebenden Menschen gebracht. Sie hat die Völker des Westens einander näher werden lassen. Das neue Europa, die Gleichstellung der Frau und freiheitliches Denken und Handeln sind unmittelbare Produkte der Demokratie und/oder Voraussetzung dieser. Errungenschaften auf die wir mit Stolz blicken können.

 

Darum bin ich „damals“ politisch aktiv geworden, erst ohne, später mit Parteibuch. Ich wollte dieses Menschheitsgeschenk weiter voranbringen. Ihm Stärke und Ausdruck verleihen. Menschen sollten die Gemeinsamkeiten mehr zu schätzen wissen, als vor dem Trennenden Angst zu haben. Gleichzeitig wollte ich mich für den Erhalt alter und bewährter Werte stark machen. Für die Ehe zum Beispiel. Für unsere Kultur und Identität. Für die positive Wahrnehmung und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland mit seinen Alleinstellungsmerkmalen.

 

So habe ich meine Meinungen vertreten, öffentlich und in zahlreichen Diskussionen. Dabei immer mit einem offenen Ohr für den Gegenüber und seine Anliegen, Ideen und Impulse. Ich habe die Demokratie im Kern immer als eine lebhafte Diskussion verstanden. Eine Diskussion, bei der man sich auf die Aussagen der Menschen verlassen konnte. Auf ihre Grundhaltungen und Prinzipien.

 

Also wollte ich meinem politischen Streben nach Fortschritt, bei gleichzeitigem Erhalt des in meinen Augen Guten, Nachdruck verleihen, indem ich in eine Partei eingetreten bin, die ich bisher bei jeder Wahl gewählt hatte. Ich bin konservativ, wirtschafts-liberal und überzeugter Christ. Die CDU war also die richtige Wahl. So dachte ich.

 

Die ersten Monate waren erfreulich. Ich hatte schnell Verantwortung in der JU Flensburg erhalten, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilgenommen und etwas später habe ich an einem Landtagswahlkampf mitgewirkt. Voller Überzeugung. Für eine gute Kandidatin, die ich auch heute noch schätze. Leider ging die Wahl verloren. Nicht schlimm. Wir hatten unser Bestes versucht und sind in einer eher sozialdemokratisch geprägten Region nicht belohnt worden. Das war schade, aber in Ordnung.

 

Dann folgten auf lokaler Ebene Aktionen und Reaktionen, auf die ich nicht näher eingehen möchte, die aber meine Befürchtungen hinsichtlich der politischen Parteien in Deutschland bestätigt, an einigen Stellen gar verstärkt haben. Ich bin nicht blauäugig in die CDU eingetreten. Ich bin durch meine dortige Arbeit auch nicht desillusioniert worden. Aber im Grunde sind einige der Punkte bestätigt worden, die ich schon lange an der Demokratie kritisiere.

 

Später bin ich aus der JU ausgetreten. Für die CDU machte ich nur noch wenig und wenn dann eher medial. An Wahlkämpfen nahm ich nicht mehr teil. Auch Parteitagen und Weihnachtsfeiern blieb ich fern. Die Briefe und die Post, die ich von der CDU erhielt, las ich zwar noch, aber nur überflogen. Ich war mir unsicher, ob ich in der Partei bleiben soll. Einerseits wollte ich wieder mitwirken, andererseits war (und bin!) ich nicht bereit meine Prinzipien aufzugeben. Wenn ich etwas sage, dann stehe ich dazu – komme was wolle. Dabei bin ich durchaus bereit zu Kompromissen oder zum Überdenken, wenn ich gute Argumente höre, aber eben nicht bis zur völligen Selbstaufgabe, um Macht, Geld oder Posten zu generieren.

 

Es folgten dann auf Bundesebene viele Seltsamkeiten, die für mich nichts mehr mit einer in Teilen konservativen und wirtschafts-liberalen Partei zu tun haben. Auch auf kommunaler Ebene wurde es „komisch“, so stellten in Flensburg CDU, SPD und Grüne eine gemeinsame Kandidatin (SPD) für die Oberbürgermeisterwahl auf, gegen die wir von der CDU noch wenige Jahre zuvor einen Landtagswahlkampf geführt hatten. Teile der CDU und die FDP hatten den Mut sich dem entgegenzustellen, scheiterten aber aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit von eineinhalb Volksparteien und den Grünen.

 

Es folgte auf Bundesebene die Aufgabe weiterer konservativer Werte, darunter auch christliche Prinzipien und Glaubensanker.

 

Dann kam das Jahr 2018. Bundeskanzlerin Angela Merkel attestierte der SPD zuvor noch Folgendes: „Es ist offenkundig, dass die SPD auf Bundesebene auf absehbare Zeit nicht regierungsfähig ist“. Das war im Oktober 2017. Vier Monate später ist die GroKo von Seiten der CDU beschlossene Sache. Gleiches Bild bei der SPD. Martin Schulz, SPD-Parteivorsitzender, sagte noch im November 2017 über die GroKo: „Eine klarere Absage an ein Bündnis kann es gar nicht geben“. Drei Monate später legt er gemeinsam mit der CDU einen Koalitionsvertrag vor.

 

Um es kurz zu halten: Die CDU und die SPD haben beide massiv durch die Bundestagswahl 2017 verloren. Beide Parteien befinden sich (fast oder ganz) auf einem historischen Tiefststand. Gleiches gilt für die CSU. Die GroKo wurde abgewählt – und das deutlich. Jetzt kann man lamentieren, dass sie gemeinsam trotzdem noch groß genug sind um zu regieren. Aber ist das der Anspruch der (ehemals) großen deutschen Volksparteien CDU und SPD? Ist das ein lohnenswertes Ziel? Gleichzeitig ist die CDU immer noch die stärkste Partei in Deutschland. Trotzdem liest sich der Koalitionsvertrag so, als hätten CDU und SPD die selben Prozentzahlen geholt. Von der CSU ganz zu schweigen. Für den Machtgewinn und -erhalt von Frau Merkel sind bereits zuvor Köpfe gerollt (Merz, Koch, Rüttgers, etc.) und Prinzipien aufgeben worden. Der neue Koalitionsvertrag war das negative i-Tüpfelchen.

 

Das war mir dann zu viel. Meine praktische Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Veränderung einer Partei von innen heraus äußerst schwierig ist, wenn man bestimmte Leitlinien hat, nicht auf Macht aus ist und gleichzeitig offen und ehrlich agiert. Machtspielchen, Pöstchen-Geschacher und Unehrlichkeiten waren nie meins und werden es auch nie sein. Die CDU hat mich enttäuscht und ihren Kern in meinen Augen in weiten Teilen verraten. Gleichzeitig habe ich keine Lust mehr auf diese Unehrlichkeiten und dieses ständige Hin und Her. Wenn man mal etwas gesagt und beschlossen hat, dann sollte man sich auch daran halten.

 

Das war aber nur der letzte Tropfen in ein Fass der parteipolitischen Unzufriedenheit und Entmutigung.

 

Ich werde mich weiterhin politisch engagieren, vor allem auch im Tierschutz, der Wirtschaftspolitik und dem gesellschaftlichen Wir-Gefühl. Aber ohne Parteibuch. Das hat sich erst einmal für eine lange, lange Zeit erledigt. Vielleicht komme ich diesbezüglich zurück, wenn wir in Deutschland wieder glaubhafte Politiker wie Adenauer, Erhard, Brandt, Schmidt oder Genscher haben. Vielleicht.

 

Dennoch möchte ich allen ehemaligen Parteifreunden danken, die aufrecht ihre Arbeit machen und sich für die Region, das Land oder den Bund einsetzen. Ich habe auch viele solcher Menschen getroffen. Aufrechte Demokraten, mit wahren Worten und einem ehrlichen Herzen. Danke für die Zeit und die Gespräche, sowie die gemeinsamen Erlebnisse. Ich denke, dass man sich auch ohne Parteibuch weiterhin verbunden bleiben wird.

Alte Beiträge

Alle Beiträge (außer dem ersten Beitrag) habe ich von meinem anderen Blog übernommen.

Daher kann es möglich sein, dass ich mich in diesen Beiträgen zu Themen äußere, die damals einen aktuellen Kontext hatten – jetzt aber nicht mehr.

Vom Scheitern der Demokratie – und dessen Lehren

Ich habe mich mit einer Bewertung lange zurückgehalten, weil ich Menschen grundsätzlich erst einmal eine Chance gebe, um sich zu beweisen. Aber meine schlimmsten Befürchtungen, mein politischer Pessimismus, wurden gar übertroffen.

Am 20. Januar 2017 wurde Donald Trump als 45. Präsident der USA vereidigt. Also jener Nation, die nicht nur die stärkste Volkswirtschaft der Erde ist, sondern auch die weltweit herausragende Militärmacht, wichtigster Forschungsstandort, Heimat von mindestens acht der besten Universitäten der Welt sowie Atommacht mit hunderten Nuklearwaffen. Trump wiederum verfügt über keinerlei politische Erfahrung. Er hat sich mehrmals, auch bereits vor seiner Präsidentschaft, als undiplomatisch, plump und an vielen Stellen gar unwissend herausgestellt.

Dennoch wurde er gewählt. Man mag die Schwächen des sehr speziellen US-amerikanischen Wahlrechts dafür verantwortlich machen oder – und das wäre die klügere Alternative – tiefergehen. Die Demokratie hat eine ihrer Kernschwächen offenbart, nämlich die Annahme, dass eine Mehrheit (hier Pseudo-Mehrheit) in ihren Entscheidungen wahrscheinlicher richtigliegen müsse, als eine Minderheit. Diese Prämisse war schon vor der Wahl Trumps strittig, sie wurde nun aber vollends falsifiziert.

Im zweiten Schritt wird sich die Überlegung in den Köpfen vieler Menschen nähren, wie es möglich sein kann, dass eine Persönlichkeit wie Trump, der von führenden US-Psychologen als schwer krank eingestuft wird, in ein derartig verantwortungsvolles Amt kommen kann. Das ist eine berechtigte Überlegung. Selektieren Unternehmen Bewerber nach ihren Fertigkeiten, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen, so findet dieser Auswahlprozess in vielen demokratischen Strukturen nicht statt. Vielmehr entscheiden sich Parteien und Organe häufig nicht für den objektiv „besten“ Kandidaten, sondern bedauerlicherweise immer öfter für jemanden, von dem sie sich persönliche Vorteile (Geld, Karriere, etc.) versprechen. Das gilt auch in einem besonderen Maße für Sponsoren von Wahlkämpfen. Gerade in den USA werden Wahlen vom Geld gewonnen.

Das Scheitern der Demokratie am Beispiel der USA ist also dreifach: Häufig unfähige Wähler wählen einen oft unfähigen Kandidaten, der von undurchsichtigen Spendern nach oben gehievt worden ist.

Trump hat das ganz praktisch offenbart, was bisher nur tendenziös oder in der Theorie gedacht worden ist. Die Demokratie muss reformiert werden. Auch Politiker sollten eine objektive Qualifikation zur Ausübung ihrer Ämter haben. Die Bundesverteidigungsministerin ist beispielsweise Ärztin. Wir haben hier also auch in Deutschland Nachholbedarf. Ferner sollte es einen Nachweis geben, ob jemand überhaupt dazu in der Lage ist, differenzierte Entscheidungen zu treffen – und dementsprechend zu wählen. Parteispenden durch Privatpersonen und Unternehmen sollten generell untersagt oder zumindest prinzipiell öffentlich gemacht werden. Aber auch andere Überlegungen sollte man anstellen: Warum gibt es beispielsweise keine rechtliche Bindung an Wahlversprechen? Kompromisse hin oder her.

Die Demokratie ist ein wertvolles Gut, für das lange gekämpft werden musste. Wir sollten mit diesem Erbe weitsichtig, klug, besonnen, respektvoll und vor allem angemessen umgehen. Eine systematische Demokratie-Reform ist in diesem Sinne überfällig.

Doppelte Prädestination – Eine Kritik

Die doppelte Prädestination ist ein theologisches Konzept innerhalb des Christentums, das sich beispielsweise im Calvinismus findet und das aussagt, dass das Schicksal der Menschen hinsichtlich ihrer Errettung oder Verdammnis von Gott vorherbestimmt sei.

Diese Selektion der Menschen nach „gut“ und „schlecht“ sei von Gott noch vor der Entstehung des Universums festgelegt worden – ganz unabhängig von deren Taten, Glauben oder Wissen. Insbesondere Calvinisten sehen im persönlichen Erfolg des Einzelnen ein Indiz für die wohlwollende Vorherbestimmung dieser Person, da sich Erfolg nur durch Gottes Gnade entwickeln könne.

Ich persönlich halte diese Idee im christlichen Sinne für unhaltbar, da insbesondere die Bibel etwas anderes verheißt:

Sola gratia:

„Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aufgrund von Werken; sonst wäre Gnade nicht Gnade.“
Römer 11,6

„Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, auf gleiche Weise wie auch sie.“
Apostelgeschichte 15,11

Ferner kann ich keine Bibelstellen erkennen, die eine doppelte Prädestination rechtfertigen würden. Selbst Calvin geht von sola scriptura aus. Calvin argumentiert unter anderem mit dem 9. Kapitel Römer. Dabei beschäftigt sich dieses Kapitel gerade mit der Gnade die von Jesus ausgeht:

„So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“
Römer 9,16

Zum Erfolg:

Hier lehrt insbesondere der Calvinismus sehr konträr zu biblischen Aussagen. In der Bibel finden sich unter anderem folgende Aussagen zum weltlichen Erfolg:

„Wehe den Schriftgelehrten, die unrechte Gesetze machen, und den Schreibern, die unrechtes Urteil schreiben, um die Sache der Armen zu beugen und Gewalt zu üben am Recht der Elenden in meinem Volk, dass die Witwen ihr Raub und die Waisen ihre Beute werden!“
Jesaja 10,1-2

„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen“
Matthaeus 6,19

„Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“
Matthäus 6,26

„Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst.“
Philipper 2,3

„Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.“
1. Korinther 10,24

Das als Auszüge. Die Bibel ist voll von solchen Aussagen und Gleichnissen.

Die christliche Errettung des Menschen definiert sich nicht durch Taten oder eine Vorauswahl, auch nicht durch weltlichen Erfolg als Indiz. Entscheidend sind die vier Soli, wie sie in der Reformation definiert sind, im Hinblick auf menschliches Streben vor allem durch den sola fide:

„Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“
Römer 3,21-28

Deutschland nach der Bundestagswahl 2017 – Die Krux

Die gescheiterten Jamaika-Sondierungen offenbaren ganz deutlich ein Problem, das sich aus der aktuellen politischen Landschaft in Deutschland ergibt: Schwer zu beschaffende Mehrheiten.

Jamaika

Schwarz-gelb-grün oder schwarz-grün-gelb galt lange als theoretische Spielerei, zusehends aber als Hoffnungsträger, nicht zuletzt durch die Wahlen in Schleswig-Holstein.

Problematisch an diesem Konstrukt ist, dass versucht wird, auf Bundesebene vier Parteien unter einen Hut zu kriegen – mit teilweise immensen Unterschieden in den Partei- und Wahlprogrammen. Von ideologischen Differenzen ganz zu schweigen. Die CSU ist die konservativste Partei im demokratischen Spektrum dieses Landes. Die FDP ist (wirtschafts-)liberal, die Grünen wiederum sind deutlich links, an einigen Stellen schon fast sozialistisch, an anderen dagegen realpolitisch. Mit der CDU ist die größte Partei dieser möglichen Koalition bereits in sich sehr unterschiedlich: Konservativ, liberal und christlich-sozial.

Liest man die Wahlprogramme der Parteien, aber auch ihre Parteiprogramme, so wird man schnell feststellen, dass sich einige quasi unüberbrückbare Konflikte abzeichnen, vor allem in der Umwelt-, Migrations-, Verteidigungs-, Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Selbst mit viel Fantasie kann ich nicht erkennen, wie eine stabile Zusammenarbeit auf Regierungsebene zwischen beispielsweise Herrn Spahn (CDU), Herrn Lindner (FDP), Herrn Trittin (Grüne) und Herrn Dobrindt (CSU) möglich sein sollte. Die politischen Ansichten reichen, betrachtet man den ganz rechten Flügel der CSU und den ganz linken Flügel der Grünen, von Protektionismus bis Kommunismus. Das kann gar nicht miteinander vereinbar sein. Gleichzeitig sind viele Grüne durchaus konservativ und viele CDU-Mitglieder sehr „grün“. Das wäre wiederum vereinbar, betrachtet man zum Beispiel Herrn Kretschmann (Grüne).

Deshalb ist ein klares „Ja“ ebenso schwierig wie ein klares „Nein“.

Große Koalition

Eine große Koalition sollte die Ausnahme sein, schon aufgrund der Tatsache, dass durch sie stets die politischen Ränder gestärkt werden. Zudem sollten CDU und SPD inhaltlich klar unterscheidbar sein. Gerade aufgrund der kontinuierlichen Aufweichung der CDU und ihren deutlichen Linksruck, verschwimmen die Unterschiede zwischen diesen beiden Parteien zusehends. Das ist dahingehend ein Problem, als dass konservative Wähler außerhalb Bayerns es dadurch schwerer haben, innerhalb demokratischer Parteien eine wählbare Alternative zu finden.

Unterschiede, wie beispielsweise zwischen der Kohl-CDU und der Wehner-SPD, wären hier sinnvoll. Nicht unbedingt mit den gleichen Inhalten, aber in der Schärfe der Abgrenzbarkeit.

Kenia

Nach der Bundestagswahl 2017 sprechen einige Politiker spätestens seit Ende November von der Möglichkeit einer Kenia-Koalition aus CDU, CSU, SPD und Grünen. Dabei ergeben sich hier ähnliche Probleme wie bei Jamaika, ganz unabhängig davon, dass die Jamaika-Sondierungen auf Bundesebene 2017 durch die FDP beendet worden sind – die bei Kenia nicht dabei wäre.

Minderheitsregierung

Ob schwarz-gelb oder schwarz-grün wäre hier erst einmal zweitrangig, wobei man durchaus einmal kritisch hinterfragen kann, welches Profil sich die CDU eigentlich geben möchte, wenn man sich inhaltlich mittlerweile mehr zu den Grünen als zur FDP hingezogen fühlt.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde und (zusammen mit Frankreich) das Herz Europas braucht eine stabile und handlungsfähige Regierung. Das geht nur mit einer ordentlichen Mehrheit.

Die politischen Ränder

Die Krux der Regierungsbildung in Deutschland ist spätestens seit 2017, dass sich am rechten Rand und schon länger am linken Rand, je eine extreme Partei befindet, namentlich AfD und Linke. Wenn beide Parteien um die zehn Prozent bekommen, dann bleiben nur circa achtzig Prozent übrig, aus denen man eine Mehrheit bilden muss, die über fünfzig Prozent liegt. Konkret bedeutet das, dass die klassischen Modelle aus CDU, CSU und FDP sowie aus SPD und Grünen vorerst Geschichte sind.

Es müssen neue Regierungskoalitionen gefunden werden.

Fazit

In einer Demokratie ist der Kompromiss ein herausragendes Gut. Er ist wichtig und sinnvoll, vor allem, um möglichst viele Wähler (=Bürger) mitzunehmen. Keine Forderung und keine Meinung kann in einer vielfältigen Demokratie zu 100% umgesetzt werden.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Parteien ihren Markenkern nicht vergessen und berechenbar bleiben. Wichtige Grundsatzaussagen dürfen nicht gefährdet, entkernt oder entfernt werden.

Darin liegt der schmale Grad bei der Mehrheitsfindung im neuen politischen Deutschland: Mehrheitsfindung mithilfe von sinnvollen, zukunftsweisenden und guten Kompromissen – ohne dabei an Profil und Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Wichtig ist dabei aber vor allem eines: Die fünf demokratischen Parteien des Bundestags müssen gegen die Extreme zusammenstehen und sich inhaltlich doch unterscheiden.